Tag 37 (7.9.): Auf Odysseus’ Spuren (Polače – Sobra)
Unser Weg führt uns zurück nach Polače zum Eingang des Nationalparks
Mljet, wo wir das nette Ehepaar aus Wuppertal wieder treffen, dem wir gestern
Abend bei der Zeltplatzsuche begegnet sind und das uns heute noch zwei weitere
Male über den Weg laufen wird. Sie umrunden den See Veliko jezero zu Fuß,
indem sie den Kanal, der diesen mit dem Meer verbindet, durchschwimmen. Wir
hingegen bleiben auch heute unseren Rädern treu. Dennoch ist unser erstes
Ausflugsziel im Nationalpark eine Bootsfahrt zur kleinen Insel Sveti Marija
im „Großen See“, auf der ein altes Benediktinerkloster steht.
Wir latschen einmal um die Insel (was allerdings in ein paar Minuten gemacht
ist…), fahren dann jedoch auch schon wieder nach einer Stunde zurück
und folgen der kleinen Inselstraße um den See herum bis zu deren Ende.
Sie ist zum Glück für Autos gesperrt. Die Hügel um den See sind
in dem wunderbar frischen Grün der Aleppo-Kiefern bewaldet, dazwischen
leuchtet der blaue See – ein Anblick, nicht spektakulär, aber eine
üppige Ruhe vermittelnd, zum Seele baumeln lassen. Avifaunistisches Highlight
des Tages ist ein Wiedehopf, der sich vor uns auf die Straße setzt. Auf
dem Rückweg essen wir mit Blick auf Sveti Marija zu Mittag und gönnen
uns noch ein Bad im „Kleinen See“, Malo jezero. Auch er ist über
einen kleinen Kanal mit dem Veliko jezero verbunden und somit salzig –
ich frage mich, warum die Menschen diese Verbindung geschaffen haben, muss er
doch früher einmal ein prima Süßwasserreservoir gewesen sein.

Der Veliko jezero auf Mljet leuchtet genauso blau wie die ihn umrahmenden Aleppo-Kiefern grün

Die Insel und das Kloster Sveti Marija im Veliko jezero

Der Klostergarten von Sveti Marija
Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg gen Sobra in der Mitte der Insel, von
wo uns morgen früh um sechs die Jadrolinija nach Dubrovnik bringen soll.
Die Fahrt über die Insel ist ein einziges Auf und Ab und fordert die Kämpfernatur
von müden Radlern heraus. Wieder sanfte grüne Hügel, teilweise
hell leuchtend von Kiefern, teilweise dunkel von Eichen. Auf den gut 20 km begegnen
uns vielleicht zwanzig Autos. Unterwegs Blick auf das tief unter uns liegende
Dorf Blato. Der Hauptort der Insel, Babino Polje, entpuppt sich als ewig langes,
sehr idyllisches Straßendorf. Wir kommen an zwei flachen, mit Schilf gesäumten
Seen vorbei, sie sollen jedoch über natürliche unterirdische Kanäle
mit dem Meer in Verbindung stehen und daher ebenfalls nicht ganz süß
sein. Auf Mljet soll Odysseus sieben Jahre lang gelebt haben – dass man
es hier so lange aushalten kann, glaube ich gern!

In Polače geht es sehr beschaulich zu
Der Fähranleger liegt zwei Kilometer hinter Sobra und mangels vernünftigem
Zeltplatz bauen wir das Innenzelt (mehr würde auch gar nicht passen…)
auf einer schmalen Betonplattform zwei Meter über dem Meer auf. Zum Abendbrot
gibt es das letzte Nudelmahl des Urlaubs. Unsere Fähre läuft noch
am Abend ein und lässt die ganze Nacht über den Motor laufen…
52,9 km – 13,4 km/h