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Reisebericht

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Karst 2004

Tag 34 (4.9.): Über den Pelješac nach Ploče (Pupnatska Luka – Rogotin)

Der Fischer, der morgens vorbeikommt und den wir mit einem freundlichen „Dobro jutro“ grüßen, ist glaube ich gar nicht so erfreut, dass wir hier gezeltet haben. Er deutet auf einen Müllsack und fragt, ob es unser sei – der Strand ist tatsächlich dermaßen verdreckt, dass es mir als Ansässiger genauso stinken würde.

Wir kämpfen uns die Schotterstrecke bis zur Straße wieder hinauf und setzen unsere Reise auf der fast ebenso schlechten Straße fort. Schon nach kurzer Zeit eröffnet sich ein Traumpanorama über die tief unter uns liegende Bucht, an der wir noch eben gewesen sind. Die Straße führt weiter bergan, auf der Hauptstraße nach Korčula-Stadt geht es dann dafür rasant vorwärts. Dort erwarten uns auf einen Schlag dann wieder sehr viele Touris, hier auf den südlichen Inseln sieht man auch im Vergleich zum Kvarner ziemlich viele Rucksackreisende.

Dort unten liegt die Pupnatska Luka
Dort unten liegt die Pupnatska Luka

Korčula-Stadt vor der Kulisse des Pelješac
Korčula-Stadt vor der Kulisse des Pelješac

Korčula-Stadt soll laut Reiseführer so etwas wie Dubrovnik im Kleinformat sein, wir gehen gemütlich durch die Gassen der Altstadt. Um 13 Uhr dann eine kurze Fährpassage nach Orebić auf der schroffen Halbinsel Pelješac, die wie ein Finger in die Adria ragt. Dort verspeisen wir ein Weißbrot, das beim Kauf noch ungefähr dreimal so groß war wie jetzt.

Über den engen Gassen von Korčula trocknet die Wäsche
Über den engen Gassen von Korčula trocknet die Wäsche

Hauseingang
Hauseingang

Unter der unbarmherzigen Sonne Süddalmatiens kämpfen wir uns dann schätzungsweise 400-500 m den Pelješac hinauf, der hier auf der Südseite sehr karg und nur von einer spärlichen Macchia bedeckt ist. Als wir den Scheitelpunkt erreichen, ändert sich das Bild – es wird grüner und wir kommen durch das Anbaugebiet des berühmten Pelješac-Weines. Die zerklüftete Bergwelt erinnert mich an Bilder aus China oder die kitschigen Landschaftsmalereien, wie man sie in jedem China-Restaurant findet. Die Abfahrt nach Trpanj an der Nordseite gestaltet sich so fix, dass wir ohne Probleme die 16.30 Uhr-Fähre nach Ploče bekommen und wegen Verspätung derselbigen sogar noch Zeit für ein Eis bleibt. Die Sicht ist wie in den letzten Tagen schon so diesig, dass man das Festland nur schemenhaft erkennt.

Auf dem „Finger“ Pelješac
Auf dem „Finger“ Pelješac

Die Sonne knallt heute einfach gnadenlos
Die Sonne knallt heute einfach gnadenlos

Bei der Einfahrt nach Ploče fällt zunächst der geschäftige Hafen mit seinen Container-Verladestationen und großen schwarzen Haufen (Kohle?) auf – der Blick auf die Stadt verrät dann, dass diese wohl erst des Hafens wegen in kommunistischer Zeit aus dem Boden gestampft wurde. Es ist eine Arbeiterstadt aus Plattenbauten. Wir versuchen zunächst wieder entlang der Wasserlinie einen Zeltplatz zu finden, doch alles ist etwas schmuddelig und wir kommen an Baracken vorbei, die eine gewisse Slum-Atmosphäre vermitteln. Kein schöner Ort – wir entschließen uns, doch lieber ein Stück weiter zu fahren, einige Kilometer nach Süden auf der Adria-Magistrale bis über die Neretva-Brücke und anschließend die kleine weiße Straße Richtung Neretva-Mündung hinein, die sich als schmaler Feldweg entpuppt. Auf ihr finden wir jedoch schon nach wenigen hundert Metern einen geeigneten ruhigen Platz zwischen riesigen Schilf-Stauden, kein Mensch kommt mehr vorbei.

Verladekräne im Hafen von Ploče
Verladekräne im Hafen von Ploče

Pločes Schönheit erschließt sich vielleicht erst auf den zweiten (oder dritten?) Blick...
Pločes Schönheit erschließt sich vielleicht erst auf den zweiten (oder dritten?) Blick...

Der erste Blick über das Neretva-Delta im Glanz des letzten Sonnenlichts fasziniert mich sehr und erinnert mich wiederum an chinesische Flusslandschaften, ohne jemals dort gewesen zu sein. Es scheint ein einziges Sumpfgebiet mit einer Vielzahl von Flussärmchen und Seen zu sein, größtenteils entwässert durch Gräben und landwirtschaftlich genutzt, dazwischen haushoher Schilf und einzelne isolierte Kalkberge, die der Verkarstung bislang getrotzt haben. Die Gräben verlaufen rechtwinklig und wir sehen einige Parzellen mit Obstbäumen und Mais, die nur per Boot erreicht werden können. Ich bin gespannt, was der morgige Tag uns noch zeigen wird!

Kinder ist das nicht schön...
Kinder ist das nicht schön...

56,9 km – 14,6 km/h

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