Tag 34 (4.9.): Über den Pelješac nach Ploče (Pupnatska Luka – Rogotin)
Der Fischer, der morgens vorbeikommt und den wir mit einem freundlichen „Dobro
jutro“ grüßen, ist glaube ich gar nicht so erfreut, dass wir
hier gezeltet haben. Er deutet auf einen Müllsack und fragt, ob es unser
sei – der Strand ist tatsächlich dermaßen verdreckt, dass es
mir als Ansässiger genauso stinken würde.
Wir kämpfen uns die Schotterstrecke bis zur Straße wieder hinauf
und setzen unsere Reise auf der fast ebenso schlechten Straße fort. Schon
nach kurzer Zeit eröffnet sich ein Traumpanorama über die tief unter
uns liegende Bucht, an der wir noch eben gewesen sind. Die Straße führt
weiter bergan, auf der Hauptstraße nach Korčula-Stadt geht es dann dafür
rasant vorwärts. Dort erwarten uns auf einen Schlag dann wieder sehr viele
Touris, hier auf den südlichen Inseln sieht man auch im Vergleich zum Kvarner
ziemlich viele Rucksackreisende.

Dort unten liegt die Pupnatska Luka

Korčula-Stadt vor der Kulisse des Pelješac
Korčula-Stadt soll laut Reiseführer so etwas wie Dubrovnik im Kleinformat
sein, wir gehen gemütlich durch die Gassen der Altstadt. Um 13 Uhr dann
eine kurze Fährpassage nach Orebić auf der schroffen Halbinsel Pelješac,
die wie ein Finger in die Adria ragt. Dort verspeisen wir ein Weißbrot,
das beim Kauf noch ungefähr dreimal so groß war wie jetzt.

Über den engen Gassen von Korčula trocknet die Wäsche

Hauseingang
Unter der unbarmherzigen Sonne Süddalmatiens kämpfen wir uns dann
schätzungsweise 400-500 m den Pelješac hinauf, der hier auf der Südseite
sehr karg und nur von einer spärlichen Macchia bedeckt ist. Als wir den
Scheitelpunkt erreichen, ändert sich das Bild – es wird grüner
und wir kommen durch das Anbaugebiet des berühmten Pelješac-Weines.
Die zerklüftete Bergwelt erinnert mich an Bilder aus China oder die kitschigen
Landschaftsmalereien, wie man sie in jedem China-Restaurant findet. Die Abfahrt
nach Trpanj an der Nordseite gestaltet sich so fix, dass wir ohne Probleme die
16.30 Uhr-Fähre nach Ploče bekommen und wegen Verspätung derselbigen
sogar noch Zeit für ein Eis bleibt. Die Sicht ist wie in den letzten Tagen
schon so diesig, dass man das Festland nur schemenhaft erkennt.

Auf dem „Finger“ Pelješac

Die Sonne knallt heute einfach gnadenlos
Bei der Einfahrt nach Ploče fällt zunächst der geschäftige Hafen
mit seinen Container-Verladestationen und großen schwarzen Haufen (Kohle?)
auf – der Blick auf die Stadt verrät dann, dass diese wohl erst des
Hafens wegen in kommunistischer Zeit aus dem Boden gestampft wurde. Es ist eine
Arbeiterstadt aus Plattenbauten. Wir versuchen zunächst wieder entlang
der Wasserlinie einen Zeltplatz zu finden, doch alles ist etwas schmuddelig
und wir kommen an Baracken vorbei, die eine gewisse Slum-Atmosphäre vermitteln.
Kein schöner Ort – wir entschließen uns, doch lieber ein Stück
weiter zu fahren, einige Kilometer nach Süden auf der Adria-Magistrale
bis über die Neretva-Brücke und anschließend die kleine weiße
Straße Richtung Neretva-Mündung hinein, die sich als schmaler Feldweg
entpuppt. Auf ihr finden wir jedoch schon nach wenigen hundert Metern einen
geeigneten ruhigen Platz zwischen riesigen Schilf-Stauden, kein Mensch kommt
mehr vorbei.

Verladekräne im Hafen von Ploče

Pločes Schönheit erschließt sich vielleicht erst auf den zweiten (oder dritten?) Blick...
Der erste Blick über das Neretva-Delta im Glanz des letzten Sonnenlichts
fasziniert mich sehr und erinnert mich wiederum an chinesische Flusslandschaften,
ohne jemals dort gewesen zu sein. Es scheint ein einziges Sumpfgebiet mit einer
Vielzahl von Flussärmchen und Seen zu sein, größtenteils entwässert
durch Gräben und landwirtschaftlich genutzt, dazwischen haushoher Schilf
und einzelne isolierte Kalkberge, die der Verkarstung bislang getrotzt haben.
Die Gräben verlaufen rechtwinklig und wir sehen einige Parzellen mit Obstbäumen
und Mais, die nur per Boot erreicht werden können. Ich bin gespannt, was
der morgige Tag uns noch zeigen wird!

Kinder ist das nicht schön...
56,9 km – 14,6 km/h