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Karst 2004

Tag 32 (2.9.): Genussradeln auf Hvar (Jelsa – Hvar-Stadt)

Zum Frühstück fahren wir zurück zum Hafen von Jelsa, wo wir die einzige schattige Bank vor einer Bäckerei okkupieren. Das Essen gestaltet sich jedoch als nicht so ganz entspannend, denn neben dem Morgenandrang auf die Bäckerei interessieren sich viele Leute für die Todesanzeigen, die hinter unserer Bank an einer Pinnwand veröffentlicht sind.

Wir radeln wieder am Ufer zurück bis Vrboska und wählen von hier die Nebenstrecke durch die flache und fruchtbare Velo polje nach Stari Grad. Das Fahren hier ist sehr entspannend, aufgehalten werden wir nur von einem Schwarm riesiger Heuschrecken, die auf der Straße sitzen. Richtige Monsterviecher – ob es dieselben sind, die gerade in ganz Nordafrika für verheerende Ernteausfälle sorgen? Sie verköstigen sich auf der Straße an ihren totgefahrenen Artgenossen, bis das nächste Auto kommt und sie mit einem vernehmlichen Knacken selbst platt macht.

Nebenstrecke durch die Velo polje
Nebenstrecke durch die Velo polje

Monsterheuschrecke auf der Straße
Monsterheuschrecke auf der Straße

Noch eine von der Art
Noch eine von der Art

Hier streiten sich zwei um den Flügel ihres toten Freundes
Hier streiten sich zwei um den Flügel ihres toten Freundes

In Stari Grad setzen wir uns wieder für eine gute Weile auf eine Bank am Hafen, da ich für drei Tage Tagebuch nachtragen muss, wozu ich durch die Postkarten nicht gekommen bin. Da diese Stadt wieder sehr den vorigen gleicht, überlege ich, wie ich sie mal anders fotografieren kann. Ich beschließe, eine Serie über die vielen lustigen Hunde zu schießen, die hier herumlaufen. Doch zwei Vierbeiner laufen so schnell vorbei, dass ich sie nicht erwische, ein dritter zotteliger interessiert sich auch nur ein Sekündchen für mich. Erst mit dem vierten freunde ich mich an, der dadurch auf mich aufmerksam wird, dass mein Bleistift runterfällt. Er verbeißt sich regelrecht in ihn und will ihn gar nicht wieder rausrücken.

Zotteliger Zeitgenosse in Stari Grad
Zotteliger Zeitgenosse in Stari Grad

Mein Freund, der Bleistiftbeißer
Mein Freund, der Bleistiftbeißer

Hinter Stari Grad entscheiden wir uns für die alte Straße in die Stadt Hvar, da sie als landschaftlich schön gekennzeichnet ist und die neue durch einen längeren Tunnel führt. Wie auch das erste Stück von heute schon, ist sie als Fahrradroute „Faros“ gekennzeichnet, benannt nach einer alten griechischen Siedlung an der Stelle des heutigen Stari Grad. Die Straße entpuppt sich als echte Traumroute und bietet einen Panoramablick nach dem anderen. Unterwegs kaum ein Auto – für mich die absolut schönste Strecke der bisher gesehenen kroatischen Inselwelt. Wir klettern bis auf über 400 m hinauf, doch die Steigungen sind sehr human. Auch auf Hvar haben die Altvorderen die Steine zu riesigen Haufen und Mauern zusammengetragen, die die ganze Insel überziehen und an den Hängen sehr kleinparzellige Terrassen abgrenzen. Der größte Teil der Landschaft ist heute karges Ödland, zwischendurch auch abgebrannter Kiefernwald, doch immer wieder sind auch mal kleine Parzellen noch bewirtschaftet – mit Wein, Ölbäumen oder der Besonderheit von Hvar, Lavendel.

Alte Kulturterrassen
Alte Kulturterrassen

Lavendel ist die Spezialität von Hvar
Lavendel ist die Spezialität von Hvar

Im idyllischen Bergdorf Brušje essen wir unser Brot und machen Bekanntschaft mit einem Esel, der die Straße entlang getrottet kommt. Auch ein Ziegenhirte kommt mit seiner Herde des Weges.

Auf dieser Insel wimmelt's nur so von putzigen Tieren
Auf dieser Insel wimmelt's nur so von putzigen Tieren

Die Stadt Hvar ist von derselben Bauart wie alle, doch mit ihrem großen Platz und der Kathedrale bietet sie etwas Abwechslung. Wieder radeln wir die Promenade nach Westen entlang und finden zu guter Letzt ganz am Ende, bevor der Weiterweg durch eine Pforte versperrt wird, einen kleinen kieseligen Strand. Wir warten, bis die letzten Badegäste verschwunden sind, bevor wir das Innenzelt aufbauen.

Der Hauptplatz der Stadt Hvar
Der Hauptplatz der Stadt Hvar

Aus den gepflückten Lavendelblüten bereite ich uns zum Nachtisch einen Tee, der wundervoll duftet, aber doch sehr herb im Geschmack ist. Mit Zucker schmeckt er mir dann doch ganz gut, Ina nicht so. Doch auch ich trinke nur einen Becher, da ich merkwürdigerweise noch nie etwas von Lavendeltee gehört habe und lieber erstmal vorsichtig die Wirkung testen möchte. Den Geschmack habe ich noch am nächsten Morgen im Mund.

36,1 km – 13,1 km/h

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