Tag 26 (27.8.): Ein paar Kilometer unter Bilderbuch-Himmel (Starigrad-Paklenica –
Karinsko more)
Beim Aufwachen merken wir beide die puddingartigen Muskeln in unseren Oberschenkeln
und lassen den Tag sanft starten. Mit Waschen, Kette säubern, Tagebuch-Nachtragen
der letzten zwei Tage und Sachen-Umpacken vergeht der Vormittag. Zu unserem Abschied
um eins versammeln sich ein paar Campingplatz-Nachbarn, für die wir anscheinend
ein kleines Highlight im Camper-Alltag darstellen.
Bis zum Abzweiger nach Obrovac fahren wir dieselbe Strecke wie auf dem Hinweg,
da die Brücke über die Meerenge Novsko drilo bei Maslenica im
Krieg zerstört wurde und dort momentan nur die neue Autobahnbrücke existiert.
Wir kommen gut voran und der mit Schönwetterwolken übersäte Himmel
über dem Süd-Velebit bietet eine wunderschöne Kulisse.
Obrovac ist eine ganz merkwürdige Stadt, wie wir finden. Sie liegt im Canyon
des Flusses Zrmanja und ist von der umgebenden Ebene aus nicht zu sehen, genauso
wenig sieht man von unten etwas von der Landschaft außenrum. Wir mampfen
Brote auf einer Bank am Fluss und werden von einem jungen Kroaten angesprochen,
der in Frankreich aufgewachsen ist und zwei Jahre in Essen gearbeitet hat. Er
erzählt uns, dass der Ort im Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde,
daher sieht er auch so trostlos aus, obwohl doch ein hübscher alter Kern
erkennbar ist. Vielleicht sind es die Plattenbauten, die sich am Fluss entlang
ziehen und daher dieses merkwürdige Bild eines sozialen Brennpunktes vermittelt.
Der junge Kerl erzählt uns weiterhin vom Fluss Zrmanja, der zwar ziemlich
kurz, aber sehr breit ist und so gar nicht ins Bild dieser kargen Landschaft passt.
Man vermutet, dass er aus Karstquellen gespeist wird, die Wasser aus dem Velebit
oder sogar dahinter liegenden versickernden Flüssen hierher bringen. Oberhalb
vom Ort soll er so sauber sein, dass man daraus trinken kann. Er meint, dass dieses
Gebiet westlich vom Velebit so karg sei, da die Venezianer es zum Bau ihrer Stadt
entwaldet hätten.

Brotzeit an der Promenade von Obrovac

Blick in den Canyon der Zrmanja
Wir fahren weiter über Kruševo und finden dann den Blick über die
abgetrennten Adriabuchten Novigradsko more und Karinsko more so schön, dass
wir beschließen, hier zu bleiben – schließlich ist es auch schon
nach fünf. Wir nehmen die kleine Straße unten am Karinsko more entlang
und finden eine flache Halbinsel beim Dorf Karin-Slana, die sehr einladend zum
Zelten aussieht. So lassen wir uns nieder, Ina liest noch ein bisschen, während
ich bade, dann kochen wir und bauen das Zelt unter ein paar Ölbäumen
auf. Vor dem Schlafengehen genießen wir noch die wundervolle Abendstimmung.

Schönwetterwolken über dem Karinsko more

Mondaufgang...
Unterwegs habe ich heute die 1000 km-Grenze überschritten, während Ina
mir um 14 km hinterher hängt. Fragt sich bloß, wessen Tacho hier falsch
eingestellt ist?
46,0 km – 16,0 km/h