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Karst 2004

Tag 26 (27.8.): Ein paar Kilometer unter Bilderbuch-Himmel (Starigrad-Paklenica – Karinsko more)

Beim Aufwachen merken wir beide die puddingartigen Muskeln in unseren Oberschenkeln und lassen den Tag sanft starten. Mit Waschen, Kette säubern, Tagebuch-Nachtragen der letzten zwei Tage und Sachen-Umpacken vergeht der Vormittag. Zu unserem Abschied um eins versammeln sich ein paar Campingplatz-Nachbarn, für die wir anscheinend ein kleines Highlight im Camper-Alltag darstellen.

Bis zum Abzweiger nach Obrovac fahren wir dieselbe Strecke wie auf dem Hinweg, da die Brücke über die Meerenge Novsko ždrilo bei Maslenica im Krieg zerstört wurde und dort momentan nur die neue Autobahnbrücke existiert. Wir kommen gut voran und der mit Schönwetterwolken übersäte Himmel über dem Süd-Velebit bietet eine wunderschöne Kulisse.

Obrovac ist eine ganz merkwürdige Stadt, wie wir finden. Sie liegt im Canyon des Flusses Zrmanja und ist von der umgebenden Ebene aus nicht zu sehen, genauso wenig sieht man von unten etwas von der Landschaft außenrum. Wir mampfen Brote auf einer Bank am Fluss und werden von einem jungen Kroaten angesprochen, der in Frankreich aufgewachsen ist und zwei Jahre in Essen gearbeitet hat. Er erzählt uns, dass der Ort im Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, daher sieht er auch so trostlos aus, obwohl doch ein hübscher alter Kern erkennbar ist. Vielleicht sind es die Plattenbauten, die sich am Fluss entlang ziehen und daher dieses merkwürdige Bild eines sozialen Brennpunktes vermittelt. Der junge Kerl erzählt uns weiterhin vom Fluss Zrmanja, der zwar ziemlich kurz, aber sehr breit ist und so gar nicht ins Bild dieser kargen Landschaft passt. Man vermutet, dass er aus Karstquellen gespeist wird, die Wasser aus dem Velebit oder sogar dahinter liegenden versickernden Flüssen hierher bringen. Oberhalb vom Ort soll er so sauber sein, dass man daraus trinken kann. Er meint, dass dieses Gebiet westlich vom Velebit so karg sei, da die Venezianer es zum Bau ihrer Stadt entwaldet hätten.

Brotzeit an der Promenade von Obrovac
Brotzeit an der Promenade von Obrovac

Blick in den Canyon der Zrmanja
Blick in den Canyon der Zrmanja

Wir fahren weiter über Kruševo und finden dann den Blick über die abgetrennten Adriabuchten Novigradsko more und Karinsko more so schön, dass wir beschließen, hier zu bleiben – schließlich ist es auch schon nach fünf. Wir nehmen die kleine Straße unten am Karinsko more entlang und finden eine flache Halbinsel beim Dorf Karin-Slana, die sehr einladend zum Zelten aussieht. So lassen wir uns nieder, Ina liest noch ein bisschen, während ich bade, dann kochen wir und bauen das Zelt unter ein paar Ölbäumen auf. Vor dem Schlafengehen genießen wir noch die wundervolle Abendstimmung.

Schönwetterwolken über dem Karinsko more
Schönwetterwolken über dem Karinsko more

Mondaufgang...
Mondaufgang...

Unterwegs habe ich heute die 1000 km-Grenze überschritten, während Ina mir um 14 km hinterher hängt. Fragt sich bloß, wessen Tacho hier falsch eingestellt ist?

46,0 km – 16,0 km/h

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