Tag 23 (24.8.): Wiedersehen mit der Adria (Gospić – Starigrad-Paklenica)
Heut morgen wecke ich Ina ganz zärtlich um sieben, damit wir den netten
Leuten nicht allzu lang zur Last fallen. Sie allerdings findet meine kalte Nase
gar nicht so zärtlich. Wir haben beide schlecht geschlafen, die Nachttemperatur
ging wohl auf 10 °C runter, im Schlafsack war es klamm und es sind viele
LKWs und wohl auch Züge nicht gerade leise vorbeigefahren. Wir packen unseren
Kram zusammen und sind um halb acht verschwunden.
Der wunderbare Morgennebel vor der Kulisse des Velebit lässt schon den
Spätsommer erahnen und uns noch immer frösteln. Doch bald gewinnt
wieder die Sonne die Oberhand.

Morgennebel vorm Velebit
Wir kommen wie gestern durch einige Geisterorte, dazwischen große verwilderte
Wiesen mit Minen-Warnschildern. Gestern haben wir sogar ein solches Schild mitten
in einem Dorf gesehen. Ein komisches Leben neben diesen tickenden Zeitbomben
muss das sein. Wie bringt man wohl den Kindern bei, nicht dort spielen zu gehen?
Etwas weiter auf einer kleinen Anhöhe ein ausrangierter Panzer der kroatischen
Armee als Mahnmal für die gefallenen Soldaten.

Achtung, Minengefahr!
Nach 15 km frühstücken wir mangels geeigneter Möglichkeiten direkt
an der Straße. In Sveti Rok kaufen wir etwas abseits der Hauptstraße
ein und erkundigen uns nach der Straße über den Mali Alan-Pass (1044
m). Sie soll noch 10 km asphaltiert und danach geschottert sein. Ina ist deswegen,
aber auch wegen der eingezeichneten 14 %-Steigung und der eventuellen Minen
in dem Gebiet dagegen, so muss ich wieder mal in den sauren Apfel beißen
und wir nehmen den Umweg über die Hauptstraße via Gračac nach Starigrad-Paklenica.
Zum Glück ist sie total wenig befahren, wohl wegen der neuen Autobahn,
die parallel den Velebit überquert.
Nach einer Mittagspause in Gračac überfahren wir also die südlichen
Ausläufer des Gebirges bei nur 767 m Passhöhe. Wieder einmal ist die
Klimaänderung enorm, uns schlägt sofort heiße trockene Mittelmeerluft
entgegen. Die Abfahrt bis zum Meer ist jedoch alles andere als eine Freude,
da uns ziemlich starker Wind entgegen bläst. Mühsam kommen wir voran,
der Popo fängt an zu schmerzen. Die Landschaft hier unten sieht aus, als
hätte ein riesiger Bagger alles umgegraben und dann liegen gelassen. Überall
Felsbrocken und sehr karge Vegetation.

Das Südende der Kvarner Bucht
Starigrad erreichen wir dann doch noch und knacken heut zum ersten Mal die 100
km. Auf dem Campingplatz des Nationalparks kaufen wir uns gleich eine Karte
und erkundigen uns nach Wanderrouten. Wir entschließen uns zu einer Zweitagestour
mit Hüttenübernachtung im Park. Nach einem kurzen (kühlen) Bad
im Meer und anschließender Dusche gibt es heut Reis mit Chili sin carne.

Sonnenuntergang in Starigrad-Paklenica
Ach, das Highlight des Tages war natürlich unsere Fotosession zur Herstellung
von Postkarten. Einen 36er-Film haben wir mit uns, unseren Rädern und Gebirgskulisse
vollgeknallt. Leider können wir ihn nicht in Starigrad entwickeln lassen.

Diese Postkarte bekommen etwa 40 Leute von uns...
103,0 km – 17,0 km/h