Tag 22 (23.8.): Zurück zum Velebit (Catrnja – Gospić)
Heute trödeln wir ein bisschen rum und kommen erst um elf los. Dafür
haben sich unsere Beine ganz gut erholt und das Radeln geht wieder recht flott.
Leider kann ich Ina trotz guter Argumente nicht davon überzeugen, über
Bihać und Donji Lapac Richtung Paklenica-Nationalpark zu fahren – sie
weigert sich partout, auch nur diese 25 km durch bosnisch-herzegowinisches Territorium
zu fahren. Sie meint, wir wüssten ja gar nichts über das Land –
ich denk da eher pragmatisch, dass dort schließlich auch Menschen leben
und man dann auch dort reisen kann. Da macht sich wohl mal wieder die unterschiedliche
Denkweise der Geschlechter bemerkbar… Für mich stellt diese Route
die logische Alternative zur viel befahrenen Hauptstraße Nr. 1 dar, der
wir nun unweigerlich fast 30 km folgen müssen und die wegen des Verkehrs
sicher weit gefährlicher ist als die andere. Dafür kommen wir auf
ihr trotz der fast 400 Höhenmeter sehr gut voran. Der Blick auf den 1649
m hohen Grenzberg zu Bosnien, den Gola Plješivica, macht mich noch immer
neugierig, wie es wohl dahinter aussehen mag.

Ina vor dem Gola Plješivica
In Korenica biegen wir endlich nach rechts ab und haben wieder unsere Ruhe.
Es sind wenig Autos unterwegs und fast jedes grüßt uns mit freundlichem
Gehupe. Der Ort Bunić ist eine Geisterstadt, fast alle Häuser zerstört,
sogar die Kirche eine Ruine. Die Fassaden sind diesmal nicht mit Einschusslöchern
übersät, dennoch muss es sich auch hier um ein Werk des Krieges handeln.
Wie zum Zeichen, dass in diesem Ort doch noch Leben herrscht, kommt aus einer
Häuserruine eine kleine Miezekatze schnurstracks auf mich zu und ist ganz
vernarrt in den netten Onkel mit der Streichelhand.

Zerstörte Kirche von Bunić

Miezekatze
Hinter dem Ort hat Ina ihren zweiten Plattfuß. Ein hoch und wieder runter,
bis wir die große Ličko Polje mit dem Fluss Lika erreichen. In Lički Osik
wieder einige verminte Wiesen, hier und auch in Gospić kaputte Häuser,
aber auch rege Bautätigkeit. Interessant zu sehen, dass Häuser hier
oft erstmal im Rohzustand bezogen und anscheinend erst Jahre später verputzt
werden – vermutlich geht den Bauherren oft das Geld aus.

Die Lika
Nach einem Einkauf in Gospić wollen wir irgendwo fragen, ob wir zelten dürfen.
Ina ist ein wenig zu spontan und fragt die erstbesten Leute am Ortsausgang,
die gerade am Gartenzaun herumwerkeln und uns im Vorbeifahren nett grüßen.
Sie sprechen kein englisch und kaum deutsch und man merkt, dass sie nicht begeistert
sind, doch sie lassen uns auf dem Rasen neben dem Haus das Zelt aufbauen. Vielleicht
hätten wir noch etwas warten und auf einem Bauernhof fragen sollen, uns
ist das ganze ziemlich unangenehm. Aber wild zelten wollen wir hier wegen der
Minen nicht. Um so wenig Aufsehen wie möglich zu erregen, ziehen wir uns
gleich ins Zelt zurück und verzichten heut aufs Kochen – stattdessen
gibt’s ein zweites Mal Brot.
78,9 km – 16,5 km/h