Tag 2 (3.8.): Odyssee durch Österreich (Euronight Berlin-Budapest – Ljubljana)
Morgens um fünf werden wir vom Zugbegleiter geweckt, der uns ein Käffchen
bzw. Teechen und zwei Scheiben Brot mit Marmelade bringt. Wir bereiten uns auf
den Umstieg in Linz vor, doch als wir schon die Hälfte unserer Klamotten
ausgeladen haben, berichtet uns der Schaffner von einem weiteren Schienenersatzverkehr
zwischen Linz und Graz und meint, wir sollten lieber bis Wien weiterfahren,
da wir dort unsere Fahrräder nicht mitnehmen könnten. In der österreichischen
Hauptstadt kommen wir um viertel vor neun an und müssen uns mit den Rädern
vom Westbahnhof zum Südbahnhof durchwurschteln, da von dort die Züge
Richtung Slowenien abfahren. Zunächst heißt es, wir könnten
heute keinen Zug mehr bekommen, der uns samt Rädern nach Ljubljana befördert
– toll... Wir nehmen erst mal einen Zug nach Graz und von dort eine Bimmelbahn
bis zum Grenzbahnhof Spielfeld. Da der nächste gesicherte Zug mit Fahrradbeförderung
erst ab Maribor fährt, entscheiden wir uns, die 18 km bis dort zu radeln.

Lange Zugfahrt...
Kurz hinter Spielfeld passieren wir die Grenze zu Slowenien, an der sich niemand
für uns und unsere Pässe interessiert. Dabei ist Slowenien doch noch
gar nicht Schengen beigetreten – na was soll’s. Wir nehmen die alte
Straße parallel zur Autobahn, die sich prima fährt und durch eine
herrlich ländliche Gegend führt. In Maribor haben wir leider nicht
mehr genug Zeit für eine Stadtbesichtigung, heben aber Geld ab und setzen
uns ein Weilchen auf eine Bank, um ein wenig das Geschehen zu beobachten. Die
Kellnerin eines nahe gelegenen Straßencafés bringt uns zwei kühle
Zitronenlimos, die uns anscheinend eine andere Frau ausgegeben hat. Wir sind
verwundert und freuen uns über die Erfrischung und nette Begrüßung
in Slowenien! In einem klitzekleinen Outdoor-Laden erstehe ich noch neue Fahrradhandschuhe
und die supernette Verkäuferin bringt mir noch drei Wörter Slowenisch
bei:
Hallo = Zdravo oder Zivjo (sprich: zjujo)
Tschüs = Adio.
Der durchgängige Zug in die Hauptstadt um kurz vor fünf nimmt leider
wieder keine Räder mit, aber eine halbe Stunde später ergattern wir
die Bimmelbahn nach Zidani Most und von dort können wir einen weiteren
Lokalzug nach Ljubljana nehmen. Die Landschaft auf der anderen Seite des Zugfensters
ist wunderschön, wir erblicken ein dicht bewaldetes, von abgerundeten Bergkuppen
geprägtes Land mit netten kleinen Dörfern, tiefen Schluchten und wilden
Flüssen.
In Ljubljana sind wir um acht, fahren direkt zum 5 km nördlich des Zentrums
gelegenen Campingplatz und machen nichts mehr außer Nudeln kochen.
Es wird erschreckend früh dunkel.
Erster Eindruck von Slowenien: total freundliche Menschen und ein viel moderneres
und wohlhabenderes Land, als wir erwartet hatten. Wir sind hier mitten in Mitteleuropa!
33,1 km – 15,0 km/h