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Karst 2004

Tag 2 (3.8.): Odyssee durch Österreich (Euronight Berlin-Budapest – Ljubljana)

Morgens um fünf werden wir vom Zugbegleiter geweckt, der uns ein Käffchen bzw. Teechen und zwei Scheiben Brot mit Marmelade bringt. Wir bereiten uns auf den Umstieg in Linz vor, doch als wir schon die Hälfte unserer Klamotten ausgeladen haben, berichtet uns der Schaffner von einem weiteren Schienenersatzverkehr zwischen Linz und Graz und meint, wir sollten lieber bis Wien weiterfahren, da wir dort unsere Fahrräder nicht mitnehmen könnten. In der österreichischen Hauptstadt kommen wir um viertel vor neun an und müssen uns mit den Rädern vom Westbahnhof zum Südbahnhof durchwurschteln, da von dort die Züge Richtung Slowenien abfahren. Zunächst heißt es, wir könnten heute keinen Zug mehr bekommen, der uns samt Rädern nach Ljubljana befördert – toll... Wir nehmen erst mal einen Zug nach Graz und von dort eine Bimmelbahn bis zum Grenzbahnhof Spielfeld. Da der nächste gesicherte Zug mit Fahrradbeförderung erst ab Maribor fährt, entscheiden wir uns, die 18 km bis dort zu radeln.

Lange Zugfahrt...
Lange Zugfahrt...

Kurz hinter Spielfeld passieren wir die Grenze zu Slowenien, an der sich niemand für uns und unsere Pässe interessiert. Dabei ist Slowenien doch noch gar nicht Schengen beigetreten – na was soll’s. Wir nehmen die alte Straße parallel zur Autobahn, die sich prima fährt und durch eine herrlich ländliche Gegend führt. In Maribor haben wir leider nicht mehr genug Zeit für eine Stadtbesichtigung, heben aber Geld ab und setzen uns ein Weilchen auf eine Bank, um ein wenig das Geschehen zu beobachten. Die Kellnerin eines nahe gelegenen Straßencafés bringt uns zwei kühle Zitronenlimos, die uns anscheinend eine andere Frau ausgegeben hat. Wir sind verwundert und freuen uns über die Erfrischung und nette Begrüßung in Slowenien! In einem klitzekleinen Outdoor-Laden erstehe ich noch neue Fahrradhandschuhe und die supernette Verkäuferin bringt mir noch drei Wörter Slowenisch bei:

Hallo = Zdravo oder Zivjo (sprich: zjujo)

Tschüs = Adio.

Der durchgängige Zug in die Hauptstadt um kurz vor fünf nimmt leider wieder keine Räder mit, aber eine halbe Stunde später ergattern wir die Bimmelbahn nach Zidani Most und von dort können wir einen weiteren Lokalzug nach Ljubljana nehmen. Die Landschaft auf der anderen Seite des Zugfensters ist wunderschön, wir erblicken ein dicht bewaldetes, von abgerundeten Bergkuppen geprägtes Land mit netten kleinen Dörfern, tiefen Schluchten und wilden Flüssen.

In Ljubljana sind wir um acht, fahren direkt zum 5 km nördlich des Zentrums gelegenen Campingplatz und machen nichts mehr außer Nudeln kochen. Es wird erschreckend früh dunkel.

Erster Eindruck von Slowenien: total freundliche Menschen und ein viel moderneres und wohlhabenderes Land, als wir erwartet hatten. Wir sind hier mitten in Mitteleuropa!

33,1 km – 15,0 km/h

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