Tag 19 (20.8.): Durch das „ursprüngliche“ Kroatien zu den Plitvitzer Seen (Oltari
– Catrnja)
Um halb acht stehen wir auf, da wir heute einen weiten Weg vor uns haben. Wir
haben prima geschlafen. Milan ist schon länger auf den Beinen, da er morgens
die Kühe melken musste. Zum Frühstück tischt er uns wieder Brot,
Käse und Schinken auf, dann verabschieden wir uns auch schon von unserem
netten Gastgeber.

Abschied von Milan
Wir fahren durch tiefen Buchen-, Fichten- und Tannenwald, wie wir ihn seit Slowenien
nicht mehr gesehen haben. Auch die ländliche Idylle ist dieselbe. Es geht
viel bergab, durch mehrere Poljen mit hübschen kleinen Orten. Freuen wir
uns noch zunächst über die gute neue Straße, so werden wir später
selbst Opfer der Straßenerneuerung. Vor Švica treffen wir auf große
Maschinen, die gerade eine neue Asphaltdecke auftragen. Da kein Durchkommen
ist, müssen wir zusammen mit einigen Autos eine halbe Stunde warten. Zwischen
Švica und Otočac überqueren wir die neue Autobahn, die laut Karte
eigentlich einige Kilometer weiter nördlich verlaufen sollte. Anscheinend
wurden die Pläne geändert.

Gemüsegarten in einer Doline bei Krasno Polje

Hier wird noch echte Nachhaltigkeit gelebt (wenn auch aus der Not heraus...)
In Otočac schnabulieren wir unser Müsli und gönnen uns ein Stück
Kuchen. Hier treffen wir auf die ersten Zeugen des noch gar nicht lange vergangenen
Krieges, Häuser mit Einschusslöchern. Auch auf der weiteren Strecke
durch die große Gacko Polje und über Vrhovine sind immer wieder zerschossene
Häuser und ein Hinweisschild auf Minengefahr zu sehen. Viel ist aber auch
schon wieder aufgebaut und das Landschaftsbild mutet weiterhin ländlich-beschaulich
an. In Babin Potok kaufen wir uns an einem der vielen Straßenstände
ein Glas leckeren Wiesenhonig. Die Verkäuferin erzählt uns, sie würden
alleine vom Straßenverkauf an die durchreisenden Touristen zu den Plitvitzer
Seen leben. Neben dem Honig hat sie verschiedene selbst gemachte Käsesorten
und Likörchen im Angebot. An anderen Ständen sehen wir auch Stickereien.

Zerschossenes Haus bei Zalužnica
Da die ausgeschilderte Strecke zu den Seen noch ganz schön weit ist, sind
wir so dreist und nehmen die alte Straße über Plitvički Ljeskovac,
an der ein „Durchfahrt verboten“-Schild steht. Die Abkürzung
von etwa 25 km lockt doch zu sehr und wir hoffen, uns damit keinen Ärger
einzuhandeln. Es geht ein wunderschön einsames Tal mit plätscherndem
Bach hinunter und Ina bindet sich wegen der Bären wieder eine Trinkjoghurt-Flasche
ans Rad. Auch mit ihrem Dauergepfeife zerstört sie die Stille der Natur…
Als wir an den oberen See, den Prošćansko jezero, stoßen, bleiben
die erwarteten Touristenmassen zunächst aus. Auf diese stoßen wir
erst sehr abrupt am obersten Haltepunkt der Touri-Bimmelbahn, aber wir zischen
dank ordentlichen Gefälles rasant vorbei, mogeln uns ohne Probleme durch
die Eingänge durch und stoßen so unbesehen auf die viel befahrene
Hauptstraße Nr. 1 Zagreb – Zadar. Von den Seen haben wir jetzt noch
nicht viel gesehen, das heben wir uns für die nächsten Tage auf. Wir
fahren weiter fix einige Kilometer bergab bis zum riesigen „Autocamp Korana“,
wo wir unser Zelt in einer Doline aufbauen. Mit 88 km ist es heut die längste
Etappe geworden, und nach den vielen Bergen fühlen sich unsere Beine wie
Pudding an. Schon der Gang aus unserer Doline wird zur Qual… Wir nehmen
endlich mal wieder eine richtige Dusche in Anspruch und zur Belohnung gibt’s
Cola und Nudeln mit extra viel Knoblauch in der Soße!
88,0 km – 15,7 km/h