Tag 18 (19.8.): Königsetappe auf den Velebit (Frkanj – Oltari)
Heute heißt es früh aufstehen ob der uns bevorstehenden Anstrengungen.
Um halb sieben stehen wir auf, verzichten auf den Morgenkaffee und sind um zehn
vor acht auf den Pedalen. Kaufen noch kurz in der Stadt ein, füllen unsere
Wasservorräte auf und legen die 10 km zum Fähranleger Mišnjak
zurück. Wieder einmal zischen wir genüsslich an der wartenden Autoschlange
vorbei, kaufen ein Ticket und ergattern eine Fähre, die auch sofort ablegt.
Nach einer Viertelstunde haben wir wieder Festland unter den Füßen.
Beeindruckend ist, wie karg es plötzlich wird, sobald wir an die Ostseite
von Rab kommen. Ist die Westseite doch total grün, so finden wir hier eine
wahre Mondlandschaft vor.
Vom Fähranleger Jablanac klettern wir hoch zur Adria-Magistrale und folgen
dieser fast 30 km weit in nördlicher Richtung bis Sveti Juraj. Anscheinend
haben wir Glück, denn so stark befahren wie befürchtet ist sie nicht,
und uns kommen auch mehr Autos entgegen als in unsere Richtung fahren. Auf der
gut ausgebauten Straße kommen wir super voran und haben nach anderthalb
Stunden unser Ziel erreicht.

Unterwegs auf der Adria-Magistrale

Traumhaftes Panorama über den Kvarner
In Sveti Juraj essen wir am beschaulichen Hafen noch ein Müsli, bevor wir
die bevorstehenden tausend Höhenmeter bis Oltari in Angriff nehmen. Ina
stehen sie ganz schön bevor. Die Straße jedoch erweist sich von Anfang
an als sehr angenehm, da sie sehr gut ausgebaut und kaum befahren ist. Vor allem
sind die Steigungen durch zahlreiche Serpentinen recht human gehalten. So schrauben
wir uns also den Velebit hinauf, müssen dann später doch noch auf
schlechterer Straße mehrere 15 %-Abschnitte bewältigen und machen
viele Pausen. Ab etwa 900 m Höhe sind wir auf einmal wieder im Reich der
Buchenwälder, das wir in Slowenien verlassen hatten. Wunderschöne
Bergkulisse!

Auffahrt nach Oltari

Berglandschaft des nördlichen Velebit-Gebirges
Die laut Karte 11,5 km bis Oltari erweisen sich dann doch eher als 16 km, und
nach vier Stunden haben wir’s völlig erschöpft geschafft. Vor
dem Gasthaus des Dorfes sitzt eine heitere Männerrunde bei Bier und Schnäpsken,
wir setzen uns dazu und bestellen eine Cola. Wir quatschen ein bisschen mit
den Leuten, so gut es halt geht, und wie es sich so ergibt, spendiert uns ein
Mann eine Cola und ein Bierchen. Als wir ihm erzählen, dass wir im Zelt
schlafen, lädt er uns spontan zu sich nach Hause ein. Damit hätte
sich das Problem eines minen- und bärensicheren Zeltplatzes also erledigt!
Auch wenn unser Gastgeber schon etwas angeheitert ist, nehmen wir sein Angebot
dankbar an.
Ein junger Mann fährt ihn ganz langsam im Auto nach Hause, wir noch langsamer
hinterher. Zu seinem Dorf Turinski Krč sind es zwar nur etwa 2 km, aber –
wie sollte es anders sein – weiter bergauf…
Unser Gastgeber heißt Milan, ist 55 Jahre alt und wohnt – zumindest
aus unserem oberflächlichen Blickwinkel der Reisenden – sehr idyllisch,
aber eben auch sehr einfach. Er spricht ein ganz paar Brocken deutsch, hat eine
Schwester in Hamburg. Er zeigt uns seine vier Kühe und zwei Kälber,
hat einen sehr gut erzogenen Hund und es laufen ein paar Miezekatzen herum.
Wovon er lebt, bringen wir nicht in Erfahrung. Aber er scheint auch sehr einsam
zu sein und sich daher besonders über unseren Besuch zu freuen –
„keine Frau, kein Kamerad“. Er bewirtet uns mit selbst gemachtem
Brot, selbst gemachtem Käse und selbst gemachtem Schinken – sehr
lecker! Als wir schon satt sind, zwängt er uns noch jedem zwei hart gekochte
Eier auf und ich muss einen Cognac mit ihm trinken – ivjeli! Zum
Abschluss gibt es noch einen Tee aus einer Menge Kräutern, anscheinend
selbst gepflückt, ein Gedicht.

Bei unserem Gastgeber Milan
Milan hat zwei Schlafzimmer übereinander mit jeweils riesigen Betten, vermutlich
hat hier früher die ganze Familie mit seinen Eltern und acht Geschwistern
geschlafen. Wir entscheiden uns für das untere, durch eine Bodenluke im
oberen erreichbare Zimmer und verbringen unsere erste Nacht im Bett seit zweieinhalb
Wochen. Traumhaft! Wir sind überwältigt von so viel Gastfreundschaft!
68,8 km – 12,1 km/h