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Karst 2004

Tag 18 (19.8.): Königsetappe auf den Velebit (Frkanj – Oltari)

Heute heißt es früh aufstehen ob der uns bevorstehenden Anstrengungen. Um halb sieben stehen wir auf, verzichten auf den Morgenkaffee und sind um zehn vor acht auf den Pedalen. Kaufen noch kurz in der Stadt ein, füllen unsere Wasservorräte auf und legen die 10 km zum Fähranleger Mišnjak zurück. Wieder einmal zischen wir genüsslich an der wartenden Autoschlange vorbei, kaufen ein Ticket und ergattern eine Fähre, die auch sofort ablegt. Nach einer Viertelstunde haben wir wieder Festland unter den Füßen. Beeindruckend ist, wie karg es plötzlich wird, sobald wir an die Ostseite von Rab kommen. Ist die Westseite doch total grün, so finden wir hier eine wahre Mondlandschaft vor.

Vom Fähranleger Jablanac klettern wir hoch zur Adria-Magistrale und folgen dieser fast 30 km weit in nördlicher Richtung bis Sveti Juraj. Anscheinend haben wir Glück, denn so stark befahren wie befürchtet ist sie nicht, und uns kommen auch mehr Autos entgegen als in unsere Richtung fahren. Auf der gut ausgebauten Straße kommen wir super voran und haben nach anderthalb Stunden unser Ziel erreicht.

Unterwegs auf der Adria-Magistrale
Unterwegs auf der Adria-Magistrale

Traumhaftes Panorama über den Kvarner
Traumhaftes Panorama über den Kvarner

In Sveti Juraj essen wir am beschaulichen Hafen noch ein Müsli, bevor wir die bevorstehenden tausend Höhenmeter bis Oltari in Angriff nehmen. Ina stehen sie ganz schön bevor. Die Straße jedoch erweist sich von Anfang an als sehr angenehm, da sie sehr gut ausgebaut und kaum befahren ist. Vor allem sind die Steigungen durch zahlreiche Serpentinen recht human gehalten. So schrauben wir uns also den Velebit hinauf, müssen dann später doch noch auf schlechterer Straße mehrere 15 %-Abschnitte bewältigen und machen viele Pausen. Ab etwa 900 m Höhe sind wir auf einmal wieder im Reich der Buchenwälder, das wir in Slowenien verlassen hatten. Wunderschöne Bergkulisse!

Auffahrt nach Oltari
Auffahrt nach Oltari

Berglandschaft des nördlichen Velebit-Gebirges
Berglandschaft des nördlichen Velebit-Gebirges

Die laut Karte 11,5 km bis Oltari erweisen sich dann doch eher als 16 km, und nach vier Stunden haben wir’s völlig erschöpft geschafft. Vor dem Gasthaus des Dorfes sitzt eine heitere Männerrunde bei Bier und Schnäpsken, wir setzen uns dazu und bestellen eine Cola. Wir quatschen ein bisschen mit den Leuten, so gut es halt geht, und wie es sich so ergibt, spendiert uns ein Mann eine Cola und ein Bierchen. Als wir ihm erzählen, dass wir im Zelt schlafen, lädt er uns spontan zu sich nach Hause ein. Damit hätte sich das Problem eines minen- und bärensicheren Zeltplatzes also erledigt! Auch wenn unser Gastgeber schon etwas angeheitert ist, nehmen wir sein Angebot dankbar an.

Ein junger Mann fährt ihn ganz langsam im Auto nach Hause, wir noch langsamer hinterher. Zu seinem Dorf Turinski Krč sind es zwar nur etwa 2 km, aber – wie sollte es anders sein – weiter bergauf…

Unser Gastgeber heißt Milan, ist 55 Jahre alt und wohnt – zumindest aus unserem oberflächlichen Blickwinkel der Reisenden – sehr idyllisch, aber eben auch sehr einfach. Er spricht ein ganz paar Brocken deutsch, hat eine Schwester in Hamburg. Er zeigt uns seine vier Kühe und zwei Kälber, hat einen sehr gut erzogenen Hund und es laufen ein paar Miezekatzen herum. Wovon er lebt, bringen wir nicht in Erfahrung. Aber er scheint auch sehr einsam zu sein und sich daher besonders über unseren Besuch zu freuen – „keine Frau, kein Kamerad“. Er bewirtet uns mit selbst gemachtem Brot, selbst gemachtem Käse und selbst gemachtem Schinken – sehr lecker! Als wir schon satt sind, zwängt er uns noch jedem zwei hart gekochte Eier auf und ich muss einen Cognac mit ihm trinken – Živjeli! Zum Abschluss gibt es noch einen Tee aus einer Menge Kräutern, anscheinend selbst gepflückt, ein Gedicht.

Bei unserem Gastgeber Milan
Bei unserem Gastgeber Milan

Milan hat zwei Schlafzimmer übereinander mit jeweils riesigen Betten, vermutlich hat hier früher die ganze Familie mit seinen Eltern und acht Geschwistern geschlafen. Wir entscheiden uns für das untere, durch eine Bodenluke im oberen erreichbare Zimmer und verbringen unsere erste Nacht im Bett seit zweieinhalb Wochen. Traumhaft! Wir sind überwältigt von so viel Gastfreundschaft!

68,8 km – 12,1 km/h

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