Tag 15 (16.8.): Cres, die Lange (Nerezine – Cres-Stadt)
Wir kommen nicht so gut los, ein paar Klamotten wollen noch gewaschen werden
und Ina schraubt noch ein bisschen am Rad rum.
Erster kurzer Stopp mit Einkauf in der kleinen Stadt Osor am Durchbruch zwischen
den Inseln Lošinj und Cres, dann geht’s erstmal aufwärts auf
das Hochplateau von Cres. Wir wählen die Variante links am Süßwassersee
der Insel, dem Vransko jezero, vorbei über Grmov und Podol. Diese Strecke
erweist sich als wunderschön, aber knüppelhart, mit großen Felsbrocken
auf dem Weg, etwa so wie die schlimmsten isländischen Pisten. Ein paar
Mal müssen wir kurz absteigen, dafür treffen wir keine Menschenseele
außer zwei Mountainbikern und einem deutschen Bulli, der uns entgegen
kommt und dem wir raten, lieber umzukehren. Unterwegs ist ein kurzer Blick auf
den See zu erhaschen, der tief unter uns blau leuchtet. Er ist streng geschützt
und ohne Zugang, denn von ihm hängt die Wasserversorgung von Cres und Lošinj
ab. Er wird wohl über irgendwelche geheimnisvollen untermeerischen Verbindungen
mit Süßwasser vom Festland gespeist.

Süßwassersee Vransko jezero auf Cres

Gottesanbeterin

Piste zwischen Grmov und Podol
Ab Podol ist die Straße wieder asphaltiert und wir genießen eine
rasante Abfahrt nach Valun, wo wir Brote mampfen und kurz ins erfrischende Hafenbecken
hüpfen. Mir gefällt der Ort sehr gut, da er so überschaubar und
nicht überlaufen ist. Der Anstieg von Valun zurück erweist sich jedoch
als harter Brocken, denn es geht nicht nur wie erwartet bis zum Abzweiger nach
Podol bergauf, sondern bis kurz vor die Insel-Hauptstraße. Als Entschädigung
erblicken wir über uns einen kreisenden Gänsegeier (Anmerkung: von
dem sich mittlerweile nach Konsultation eines Ornithologen herausgestellt hat,
dass es wohl doch eher ein juveniler Steinadler war…), für die Cres
schließlich bekannt ist, und genießen einen wunderbaren Panoramablick
auf den Nordteil der Insel und Istrien.

Blick auf Valun
Die Abfahrt in die Stadt Cres geht wieder recht flott, und Ina besteht auf einem
Abstecher dort hinein. Es geht durch sehr enge Gassen. Erst bin ich etwas mürrisch,
da ich lieber einen Platz zum Wildzelten suchen würde, doch als wir die
Promenade bis zum Campingplatz entlang schieben, beschließen wir, uns
einfach hier irgendwo nach Einbruch der Dunkelheit hinzupacken. Zunächst
geht es erst einmal zurück ins Zentrum am Hafen, wo Ina mich zu einer Pizza
einlädt. Lecker Frutti di Mare, ob die Meeresfrüchte allerdings aus
kroatischen Gewässern stammen, bleibt ein Rätsel. Als wir dort so
auf der Terrasse sitzen, kommt ein weiterer Reiseradler daher geschoben und
wir laden ihn ein, sich zu uns zu setzen. Er erweist sich als Australier namens
Benji (von Benjamin), der in Madrid lebt und sieben Wochen durch Osteuropa fährt.
Ein sehr netter und interessanter Mensch, wir verbringen einen lustigen Abend
miteinander. Er plant eine Weltreise in ein paar Jahren und dreht dafür
ein Video über seine momentane Tour, um damit Sponsoren zu locken.
Als wir müde werden, fahren wir zurück zum Campingplatz und bauen
dort ganz frech unser Zelt auf der Seeseite auf, wo man mit dem Auto nicht hingelangt
und folglich auch keine Rezeption in Sichtweite ist. Benji baut sein Zelt neben
uns auf.
60,8 km – 13,4 km/h