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Karst 2004

Tag 15 (16.8.): Cres, die Lange (Nerezine – Cres-Stadt)

Wir kommen nicht so gut los, ein paar Klamotten wollen noch gewaschen werden und Ina schraubt noch ein bisschen am Rad rum.

Erster kurzer Stopp mit Einkauf in der kleinen Stadt Osor am Durchbruch zwischen den Inseln Lošinj und Cres, dann geht’s erstmal aufwärts auf das Hochplateau von Cres. Wir wählen die Variante links am Süßwassersee der Insel, dem Vransko jezero, vorbei über Grmov und Podol. Diese Strecke erweist sich als wunderschön, aber knüppelhart, mit großen Felsbrocken auf dem Weg, etwa so wie die schlimmsten isländischen Pisten. Ein paar Mal müssen wir kurz absteigen, dafür treffen wir keine Menschenseele außer zwei Mountainbikern und einem deutschen Bulli, der uns entgegen kommt und dem wir raten, lieber umzukehren. Unterwegs ist ein kurzer Blick auf den See zu erhaschen, der tief unter uns blau leuchtet. Er ist streng geschützt und ohne Zugang, denn von ihm hängt die Wasserversorgung von Cres und Lošinj ab. Er wird wohl über irgendwelche geheimnisvollen untermeerischen Verbindungen mit Süßwasser vom Festland gespeist.

Süßwassersee Vransko jezero auf Cres
Süßwassersee Vransko jezero auf Cres

Gottesanbeterin
Gottesanbeterin

Piste zwischen Grmov und Podol
Piste zwischen Grmov und Podol

Ab Podol ist die Straße wieder asphaltiert und wir genießen eine rasante Abfahrt nach Valun, wo wir Brote mampfen und kurz ins erfrischende Hafenbecken hüpfen. Mir gefällt der Ort sehr gut, da er so überschaubar und nicht überlaufen ist. Der Anstieg von Valun zurück erweist sich jedoch als harter Brocken, denn es geht nicht nur wie erwartet bis zum Abzweiger nach Podol bergauf, sondern bis kurz vor die Insel-Hauptstraße. Als Entschädigung erblicken wir über uns einen kreisenden Gänsegeier (Anmerkung: von dem sich mittlerweile nach Konsultation eines Ornithologen herausgestellt hat, dass es wohl doch eher ein juveniler Steinadler war…), für die Cres schließlich bekannt ist, und genießen einen wunderbaren Panoramablick auf den Nordteil der Insel und Istrien.

Blick auf Valun
Blick auf Valun

Die Abfahrt in die Stadt Cres geht wieder recht flott, und Ina besteht auf einem Abstecher dort hinein. Es geht durch sehr enge Gassen. Erst bin ich etwas mürrisch, da ich lieber einen Platz zum Wildzelten suchen würde, doch als wir die Promenade bis zum Campingplatz entlang schieben, beschließen wir, uns einfach hier irgendwo nach Einbruch der Dunkelheit hinzupacken. Zunächst geht es erst einmal zurück ins Zentrum am Hafen, wo Ina mich zu einer Pizza einlädt. Lecker Frutti di Mare, ob die Meeresfrüchte allerdings aus kroatischen Gewässern stammen, bleibt ein Rätsel. Als wir dort so auf der Terrasse sitzen, kommt ein weiterer Reiseradler daher geschoben und wir laden ihn ein, sich zu uns zu setzen. Er erweist sich als Australier namens Benji (von Benjamin), der in Madrid lebt und sieben Wochen durch Osteuropa fährt. Ein sehr netter und interessanter Mensch, wir verbringen einen lustigen Abend miteinander. Er plant eine Weltreise in ein paar Jahren und dreht dafür ein Video über seine momentane Tour, um damit Sponsoren zu locken.

Als wir müde werden, fahren wir zurück zum Campingplatz und bauen dort ganz frech unser Zelt auf der Seeseite auf, wo man mit dem Auto nicht hingelangt und folglich auch keine Rezeption in Sichtweite ist. Benji baut sein Zelt neben uns auf.

60,8 km – 13,4 km/h

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