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Karst 2004

Tag 14 (15.8.): Auf den König des Kvarner (Mali Lošinj – Nerezine)

Morgens werden wir von den ersten Joggern geweckt, die an unserem Zelt vorbei laufen. Wir bauen das mobile Heim dann recht bald ab, um kein Aufsehen zu erregen, bevor wir frühstücken. In Mali Lošinj schlendern wir noch ein bisschen umher und Ina kauft sich in einem Touriladen ein langärmliges Oberteil, gegen die Sonne. Was hier für Leute rumlaufen, ist unglaublich. Eine Mischung aus Ballermann und Westerland…

Zelten bei Mali Lošinj
Zelten bei Mali Lošinj

Wir radeln bis zum Campingplatz von Nerezine, wo wir unser Basislager für die Besteigung des Televrina, des höchsten Gipfels des Insel„gebirges“ Osoršćica, einrichten. Auf dem Weg dorthin bekomme ich meinen ersten Sonnenbrand, auf den Waden, hatte ich wohl nicht ordentlich eingecremt. Da wir das erste Mal in diesem Urlaub Richtung Norden radeln, hat die Sonne von hinten leichtes Spiel.

Bei unserer Bergtour richten wir uns nach Inas Rother Wanderführer „Istrien“, in dem die Route beschrieben ist. Wir finden zwar nicht immer den beschriebenen Weg, doch ein anderer Pfad zum Gipfel ist ausgeschildert. In der Mittagshitze um eins geht’s los, erst durch dichte Macchia hinauf, weiter oben am Hang kommen wir dann durch richtige kleine Wälder aus Kiefern und Eichen. Teilweise richtig verkrüppelte Märchenwälder. Erster und bester Aussichtspunkt ist die kleine Kapelle Sveti Nikola, von der aus man den Süden der Insel Lošinj und den gesamten Südteil der Kvarner Bucht überblicken kann. Der Blick schweift über Cres, Krk, Rab, Pag und den Velebit. Auf der anderen Seite der Adria sieht man gar einige im Dunst fast verschwindende Berge Italiens durchschimmern. Ein Italiener (einer der vielen, die wir auf der Insel treffen) macht dann auch ein „Gruppen“foto von uns.

Blick über den Süden von Lošinj
Blick über den Süden von Lošinj

Die Kapelle Sveti Nikola
Die Kapelle Sveti Nikola

Segelfalter
Segelfalter

Der Gipfel des Televrina selbst auf 588 m ist eher unspektakulär, wegen des Waldes geht der Blick lediglich nach Westen auf die vorgelagerten Inseln Unije und Susak. Wir machen ein Päuschen mit Keksen und Banane. Auf dem Weiterweg treffen wir eine Schlange, die aber so schnell verschwunden ist, dass keine Artmerkmale erkennbar sind. Die Kalkbrocken, die hier rumliegen, weisen zahlreiche Loch- und Rillenkarren auf, ein untrügliches Zeichen für den Karst. Hier oben riecht alles ganz wunderbar nach wildem Thymian, Kiefern und sonstigen mediterranen Nasenschmäusen.

Komische Leute auf dem Televrina
Komische Leute auf dem Televrina

Blick hinüber nach Cres
Blick hinüber nach Cres

Beim Abstieg versuchen wir einen Pfad direkt nach Nerezine zu erwischen und geraten so auf uralte, halb zugewucherte Kulturwege zwischen sorgsam aufgeschichteten Steinmauern. Zwischendurch immer wieder Hausruinen, Zeugen einer ehemaligen Siedlung, die zwischen den Büschen herausragen. Die Natur holt sich langsam alles zurück.

Wieder auf dem Campingplatz sind wir ziemlich geschafft, nach einer Dusche gönnen wir uns zum Reis mit Chilisoße ein Bierchen bzw. eine Cola, und unser netter slowenischer Nachbar schenkt uns eine große Flasche Johannisbeer-Eistee. Außerdem werden wir noch Zeuge, wie zwei Hunde sich kabbeln und dies zum Abendthema in der gesamten Nachbarschaft wird. Die Freundschaft der beiden Besitzerfamilien geht darüber leider in die Brüche. Außerdem fragen wir uns, wie viele der jedes Jahr auf diesem Campingplatz Urlaub machenden Menschen wohl überhaupt schon einmal diesen wunderbaren Berg in ihrem Rücken bestiegen haben…?

20,9 km – 14,9 km/h

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