Tag 14 (15.8.): Auf den König des Kvarner (Mali Lošinj – Nerezine)
Morgens werden wir von den ersten Joggern geweckt, die an unserem Zelt vorbei
laufen. Wir bauen das mobile Heim dann recht bald ab, um kein Aufsehen zu erregen,
bevor wir frühstücken. In Mali Lošinj schlendern wir noch ein
bisschen umher und Ina kauft sich in einem Touriladen ein langärmliges
Oberteil, gegen die Sonne. Was hier für Leute rumlaufen, ist unglaublich.
Eine Mischung aus Ballermann und Westerland…

Zelten bei Mali Lošinj
Wir radeln bis zum Campingplatz von Nerezine, wo wir unser Basislager für
die Besteigung des Televrina, des höchsten Gipfels des Insel„gebirges“
Osoršćica, einrichten. Auf dem Weg dorthin bekomme ich meinen ersten Sonnenbrand,
auf den Waden, hatte ich wohl nicht ordentlich eingecremt. Da wir das erste
Mal in diesem Urlaub Richtung Norden radeln, hat die Sonne von hinten leichtes
Spiel.
Bei unserer Bergtour richten wir uns nach Inas Rother Wanderführer „Istrien“,
in dem die Route beschrieben ist. Wir finden zwar nicht immer den beschriebenen
Weg, doch ein anderer Pfad zum Gipfel ist ausgeschildert. In der Mittagshitze
um eins geht’s los, erst durch dichte Macchia hinauf, weiter oben am Hang
kommen wir dann durch richtige kleine Wälder aus Kiefern und Eichen. Teilweise
richtig verkrüppelte Märchenwälder. Erster und bester Aussichtspunkt
ist die kleine Kapelle Sveti Nikola, von der aus man den Süden der Insel
Lošinj und den gesamten Südteil der Kvarner Bucht überblicken
kann. Der Blick schweift über Cres, Krk, Rab, Pag und den Velebit. Auf
der anderen Seite der Adria sieht man gar einige im Dunst fast verschwindende
Berge Italiens durchschimmern. Ein Italiener (einer der vielen, die wir auf
der Insel treffen) macht dann auch ein „Gruppen“foto von uns.

Blick über den Süden von Lošinj

Die Kapelle Sveti Nikola

Segelfalter
Der Gipfel des Televrina selbst auf 588 m ist eher unspektakulär, wegen
des Waldes geht der Blick lediglich nach Westen auf die vorgelagerten Inseln
Unije und Susak. Wir machen ein Päuschen mit Keksen und Banane. Auf dem
Weiterweg treffen wir eine Schlange, die aber so schnell verschwunden ist, dass
keine Artmerkmale erkennbar sind. Die Kalkbrocken, die hier rumliegen, weisen
zahlreiche Loch- und Rillenkarren auf, ein untrügliches Zeichen für
den Karst. Hier oben riecht alles ganz wunderbar nach wildem Thymian, Kiefern
und sonstigen mediterranen Nasenschmäusen.

Komische Leute auf dem Televrina

Blick hinüber nach Cres
Beim Abstieg versuchen wir einen Pfad direkt nach Nerezine zu erwischen und
geraten so auf uralte, halb zugewucherte Kulturwege zwischen sorgsam aufgeschichteten
Steinmauern. Zwischendurch immer wieder Hausruinen, Zeugen einer ehemaligen
Siedlung, die zwischen den Büschen herausragen. Die Natur holt sich langsam
alles zurück.
Wieder auf dem Campingplatz sind wir ziemlich geschafft, nach einer Dusche gönnen
wir uns zum Reis mit Chilisoße ein Bierchen bzw. eine Cola, und unser
netter slowenischer Nachbar schenkt uns eine große Flasche Johannisbeer-Eistee.
Außerdem werden wir noch Zeuge, wie zwei Hunde sich kabbeln und dies zum
Abendthema in der gesamten Nachbarschaft wird. Die Freundschaft der beiden Besitzerfamilien
geht darüber leider in die Brüche. Außerdem fragen wir uns,
wie viele der jedes Jahr auf diesem Campingplatz Urlaub machenden Menschen wohl
überhaupt schon einmal diesen wunderbaren Berg in ihrem Rücken bestiegen
haben…?
20,9 km – 14,9 km/h