Einleitung
Nordkap, Gibraltar, Sizilien, Istanbul – Fernziele innerhalb Europas, die
sich für eine Fahrrad-Reise geradezu aufdrängen. Nun ist das Studium
so gut wie vorbei, nun kann ich mir noch einmal acht Wochen Zeit nehmen, um eines
davon zu erreichen.
Warum Istanbul? Dies hat zwei Gründe: Zum einen hat mich durch die beiden
letzten Radreisen (Slowenien/Kroatien und Polen) das Osteuropa-Fieber gepackt,
zum anderen sind die Länder Osteuropas zum Reisen sehr viel günstiger
als die, in denen die anderen drei Ziele liegen oder die auf dem Weg dorthin zu
durchqueren sind.
Die Route habe ich frühzeitig geplant, nur der passende Reisepartner fehlte
noch. Also versuchte ich, über das Radreise- und Fernradler-Forum jemanden
zu finden – mit Erfolg: Jens, 19, aus Kamen, der nach seinem Abitur mit
dem Rad nach Indien fahren wollte. Wir trafen uns in Vechta, waren uns auf Anhieb
sympathisch und beschlossen, bis Rumänien und eventuell sogar bis Istanbul
gemeinsame Sache zu machen – Jens war sich über seinen Zeitplan und
seine Länderpräferenzen noch nicht ganz einig mit sich selbst. Um uns
im Falle von Zwistigkeiten trennen zu können, waren wir uns von vornherein
einig, zwei autarke Ausrüstungen mitzunehmen.
Ich wählte eine recht östliche Route, da mich besonders Rumänien
und Bulgarien sehr interessierten – durch Internetseiten und Fernsehberichte
war ich auf den Geschmack gekommen. Um in diesen Ländern mehr Zeit verbringen
zu können, entschied ich mich entgegen meiner primären Intention, nicht
in Schleswig-Holstein, sondern erst in Dresden zu starten. Grobe Fixpunkte für
unterwegs hatte ich mir gesetzt, doch wollte ich sowohl vom „Fein-Tuning“
der Route als auch zeitlich flexibel sein, so dass ich mir keinen detaillierten
Plan machte.
Die Reise sollte wieder einmal ein Low-Budget-Unternehmen werden, auch darin waren
Jens und ich uns einig und setzten 7 € pro Tag und Kopf als Limit fest. Wir
wollten in erster Linie wild zelten und uns ab und zu auch mal einen Campingplatz
oder eine Privatunterkunft gönnen.
Für Jens stand die Zeit nach dem Abitur als Abfahrttermin fest, für
mich das Wochenende nach den Deutschen Meisterschaften Mitteldistanz im Orientierungslauf,
die wir am 16.-18. Juni in und um Malente ausrichteten. Bis dahin musste noch
meine Diplomarbeit fertig gestellt werden, doch auf Grund der Vorfreude auf die
Reise war der Druck groß genug. Am 21. Juni gab ich ab, am 23. zog ich mit
Hilfe meines Vaters in Vechta aus (um die Mietkosten zu sparen und somit die Reise
zu finanzieren) und einen Tag später war dann der große Augenblick
gekommen.