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Istanbul 2006

Tag 9 (02.07.): Bombastische Schlucht in der Westlichen Tatra (Oravská Lesná – Liptovský Trnovec)

Der heftige Ostwind hat die ganze Nacht weiter gewütet, aber auch etwas besseres Wetter gebracht – es tun sich einige Lücken in der Wolkendecke auf. Bei der Abfahrt nach Oravská Lesná haben wir den ersten Blick auf die Gipfel der Hohen (oder doch der Niederen? – bin nicht ganz sicher) Tatra.

Wir fahren das Tal der Biela Orava (Weiße Arwa) hinab und kämpfen den vierten Tag in Folge gegen eben jenen Ostwind an. Die Temperaturen sind kein Vergleich mit denen der ersten Tage – wir müssen oft den Windstopper überziehen. Am Orava-Stausee liegt ein toter Mann neben der Straße, der sich dann aber doch als Alkoholleiche herausstellt, die wohl nur ein kleines Nickerchen macht; außer uns hält noch ein Auto an, doch es gibt nichts zu helfen. In Tvrdošín machen wir Mittagspause auf einer Bank und bekommen Besuch von drei jungen Männern, von denen mindestens einer auch ganz ordentlich bezecht ist – es ist ganz lustig, aber wir sind auch froh, sie wieder los zu werden (der besoffene Typ frisst uns ohne zu fragen einen Apfel weg…). Außer diesen Wochenendsäufern sehen wir heute recht viele Leute, die eindeutig ihre Sonntagskleidung tragen.

Bei Podbiel biegen wir links in die Studená dolina ab. Zuberec erweist sich als weniger interessant, als im Reiseführer beschrieben, dafür ist das oberhalb gelegene Huty ein wunderschönes Dorf mit vielen traditionellen Holzhäusern. Wir fahren über Huty, da ich irgendwann im Rad-Forum mal was von der Schlucht Kvačianska dolina gelesen habe und sie auch als Radroute ausgeschildert ist. Der Weg hindurch ist jedoch eher eine sehr raue Mountainbike-Piste, und unsere vollbeladenen Räder und vor allem die Bremsen werden auf eine harte Probe gestellt. Lockere Steine und Felsbrocken auf sehr steilen Anstiegen und Abfahrten wechseln sich ab, so dass wir einige Male schieben müssen. Doch es lohnt sich: die bewaldete Schlucht ist bombastisch – tief unter uns bahnt sich der tosende Bach seinen Weg.

Als wir bei Kvačany das Liptauer Becken (Liptovská kotlina), die Ebene zwischen Westlicher und Niederer Tatra, erreichen, ist dort endlich wieder die Sonne vollends durchgebrochen. Es ergeben sich fantastische Ausblicke auf die Hohe Tatra und ich kann mich kaum sattsehen. Um mal wieder zu waschen, steuern wir den Campingplatz von Liptovský Trnovec an – ein recht luxuriöser und für slowakische Verhältnisse teurer Platz: wir zahlen fast 5 € pro Person. Man merkt, dass die Hohe Tatra mittlerweile auch Ziel des internationalen Tourismus ist… Nach dem Abendessen werden wir von zwei 25jährigen Franzosen aus Dünkirchen noch zum Grillen und Vodka-Trinken eingeladen – es ist sehr nett mit den beiden. Sie fahren mit einem uralten Auto und Campingwagen fünfzehn Tage durch Osteuropa. Wir verabreden uns morgen zum Frühstück mit ihnen.

92,7 km – 17,5 km/h – 762 hm

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