Tag 59 (21.08.): Abschied von Istanbul – letzter Bummel, letzte Besorgungen und Vorbereitung zur Rückkehr (İstanbul – Sabiha Gökçen Havaalanı)
Irgendwann geht die längste und schönste Reise zu Ende… Heute ist es soweit. Doch der Vormittag bleibt uns noch, um einmal durch den Großen Bazar (Kapalı Çarşı) und zum Valens-Aquädukt, das zu spätrömisch-byzantinischer Zeit die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte, zu latschen. Dann mache ich noch einige Besorgungen: Abendbrot und eine kleine Auswahl leckerer türkischer Teilchen vom Bäcker, während Schwester einen Ohrring für das Muttertier aussucht. Beim Dönermann holen wir uns was zu futtern und verspeisen die Henkersmahlzeit auf der Dachterrasse. Von oben stellt sich Istanbul heute als total versmogt dar – die in der Bucht liegenden Schiffe und die Prinzeninseln im Marmarameer ragen aus einer bräunlichen Suppe heraus. Keine Ahnung, ob sich vielleicht an der Wetterlage irgendwas geändert hat, aber an den anderen Tagen ist uns kein Smog aufgefallen.
Miexe bleibt noch eine Nacht länger, ihr Flug geht morgen Nachmittag vom Atatürk-Flughafen. Ich aber soll heute Nacht um zehn vor vier abheben und muss zum anderen Flughafen. Also mache ich mich wohl oder übel schon heute Nachmittag auf den Weg. Miexe bringt mich zur Fähre – es waren tolle Tage mit ihr. Welch Glück, dass Schwester und ich uns so gut verstehen! Die Fahrrad-Mitnahme auf der Personenfähre ist dann zum Glück überhaupt kein Problem und kostet nicht einmal extra was. So stehe ich um vier in Kadıköy und bin wieder in Asien.
Da ich keine brauchbare Karte vom Weg zum Flughafen habe, schlage ich mich zunächst durch, indem ich immer am Ufer des Marmarameers entlang fahre – über Fenerbahçe, Bostancı, Kartal, Pendik. Es geht einen sechsspurigen Boulevard direkt am Wasser entlang, mit relativ harmlosem Verkehr und schöner Sicht auf die Prinzeninseln. Über viele Kilometer gibt es sogar einen nagelneuen, ziemlich guten Fahrradweg, der von der Straße abgetrennt und wahrscheinlich der einzige in der ganzen Türkei ist. Nach Pendik hinein biege ich von der Straße nach links ab, frage einmal nach dem Flughafen und entdecke aber auch schon bald die ersten Wegweiser dorthin. Im Prinzip muss ich mich immer nur auf der einen Hauptstraße fortbewegen, auch wenn die Beschilderung nicht ganz eindeutig ist. Es geht noch einmal ganz gut bergauf. Um sechs, viel zu früh, und nach gerade einmal 38 km, bin ich angelangt – von wegen 70 oder 80 km, alles Panikmache!
Vor dem Gebäude nehme ich mein Rad auseinander, das schließlich einigermaßen in den besorgten Karton hineinpasst. Man muss hier schon beim Betreten des Flughafen-Gebäudes sein Gepäck durchleuchten lassen, komische Sitten. Mein Pfefferspray, das ich nie benutzt habe, wird entdeckt und ich muss es da lassen. Im Warteraum mache ich es mir bequem und verbringe den Abend mit Essen, Tagebuch-Schreiben und Lesen der Geo, die ich von Ina in Bulgarien geerbt habe.
Am sehr frühen Morgen also werde ich die Germanwings-Maschine besteigen, in aller Herrgottsfrühe um fünf nach sechs in Hamburg landen und mich wohl bei einigermaßen gutem Wetter noch auf den Weg mit dem Rad nach Malente begeben. Ich kann es mir noch gar nicht so recht vorstellen, schon in wenigen Stunden wieder in Deutschland zu sein, nach zwei Monaten in den Schluchten des Balkan. Der Beginn meiner Tour kommt mir eine Ewigkeit her vor – wenn ich im Tagebuch nachlese, ist mir, als wäre es eine andere Reise in einem anderen Jahr gewesen… Ich freue mich auf zu Hause! Hoffentlich gibt’s bei meinen Eltern schon frischen Pflaumenkuchen! ;-)
38,5 km – 18,9 km/h – 254 hm
– Ende –