Tag 5 (28.06.): Von Böhmen nach Mähren (Zámrsk – Náklo)
Der Tag verläuft wettertechnisch wie der gestrige: nach einem angenehm
bedeckten Morgen wird es heiß, am Nachmittag bedeckt es sich wieder. Wir
bleiben heute eine ganze Weile auf der stark befahrenen 35, gucken uns kurz
Litomyšl an und müssen dann 200 m hoch bis Gajer. Von dort aus nehmen
wir die Nebenstrecke über Dětřichov und müssen wieder ordentlich hoch.
Dieser Höhenzug stellt wohl die historische Grenze zwischen Böhmen
und Mähren dar. Die Abfahrt nach Moravská Třebová ist genial
– etwa acht Kilometer nur bergab, leider auf nicht so toller Straße.
In Moravská Třebová machen wir wieder eine ausgedehnte (verspätete)
Mittagspause mit Besuch eines Internet-Cafés. Hinter der Stadt der nächste
Höhenzug: 200 m rauf und 300 m runter in die breite Ebene der Morava (March).
Ab Mohelnice folgen wir gemütlichen Nebenstraßen über Litovel
und wollen den auf der Karte eingezeichneten Campingplatz bei Náklo ansteuern.
Er entpuppt sich jedoch als Uferstreifen eines Baggersees, auf dem eine Menge
Leute wild zelten und eine provisorische Kneipe aufgebaut ist – eine etwas
hippiemäßige, fröhliche Stimmung. Die Mädels am Tresen
machen sich über uns lustig, als wir fragen, ob campen hier etwas kostet.
Also stellen wir unsere Zelte dazu und nehmen vor dem Abendbrot noch ein enorm
reinigendes Bad im See, nach dem wir uns fast wie neugeboren fühlen. Unsere
Nachbarn, fünf Männer mit Fahrrad, die unter einer Plane schlafen,
laden uns noch zu einem Schluck Rum ein. Spätabends, als ich schon im Zelt
liege und Jens zur Telefonzelle ins nächste Dorf unterwegs ist, kommt noch
ein heftiger Schauer herab.
108,4 km – 18,7 km/h – 862 hm