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Istanbul 2006

Tag 49 (11.08.): Nesebăr (Varna/Варна – Burgas/Бургас)

Eigentlich wollten wir gar nicht nach Varna. Ich habe die Stadt ja schon gesehen und fand sie nicht so umwerfend. Nein, unser Ziel ist Nesebăr (Несебър), das wir vermeintlicherweise über Varna am besten erreichen. Nach einem ordentlichen Gewitter, das ganze Straßen in Flüsse verwandelt, machen wir uns auf den Weg zum 2 km außerhalb des Zentrums liegenden und per Stadtbus erreichbaren Busbahnhof, wo wir um viertel nach elf ankommen. Unser Buch gibt für die Strecke Burgas – Varna Busverbindungen alle 30 bis 40 Minuten an und wir setzen das gleiche auch für die Gegenrichtung voraus… Verdammt, verdammt, verdammt, mal wieder zu gutgläubig gewesen. Wir müssen erfahren, dass der letzte Bus um elf fuhr und der nächste erst um viertel vor zwei fahren wird. Also hat Ina genug Zeit, um ihre Postkarten zu schreiben, und ich kümmere mich ums Tagebuch.

Die Fahrtstrecke des Busses kenne ich ja bereits, doch aus einem motorisierten Gefährt nimmt man die vielen Höhenmeter natürlich kaum wahr. Der Bus lässt uns in der Neustadt von Nesebăr heraus und wir latschen zu Fuß etwa zehn Minuten in die Altstadt, die malerisch auf einer weit ins Meer ragenden Halbinsel liegt. Eine der ältesten Siedlungen Europas, seit mehr als 3.000 Jahren leben hier ununterbrochen Menschen. Von ehemals vierzig mittelalterlichen Kirchen, teilweise bis aus dem 10. Jahrhundert stammend, stehen heute noch elf, die zum Teil klitzeklein sind. Ansonsten wird das hübsche Stadtbild von Bürgerhäusern aus der Wiedergeburtszeit bestimmt. Aber: Nesebăr ist total dem Kommerz verfallen – das Städtchen tut mir richtig leid. Vom nahen Sonnenstrand, wo sich Bettenburg an Bettenburg reiht, kommen die Touris in rauen Scharen, und entsprechend ist in jedem zweiten Haus ein Ramschladen untergebracht und die Preise sind insgesamt viel höher als in normalen bulgarischen Orten. Es ist irgendwie abstoßend. Da die Altstadt klein ist, ist es nicht weiter tragisch, dass wir erst gegen vier hier angekommen sind. So düsen wir bereits wieder um 17.40 Uhr mit dem Bus nach Burgas ab.

Wir haben etwas Probleme, den Wohnblock von Nik wieder zu finden, doch schließlich gelingt es uns doch. Niks Cousin aus Sofija, Raddy , ist zu Besuch, und am Abend wird auch noch ein weiterer Freund aus Sofija, Martin, erwartet. Daher wird es nichts mit unserer Einladung zum Essengehen an Nik – stattdessen bereitet der Cousin ein sehr schmackhaftes Hähnchen-Gericht zu. Die drei Jungens sind einfach klasse und entsprechend wird auch der Abend. Doch irgendwann müssen wir dann doch ins Bett – Inas Flieger geht morgen früh um halb neun… Wieder bekommen wir Niks Zimmer für uns, während die drei anderen im Wohnzimmer pennen. Die bulgarische Gastfreundschaft ist einfach grandios, davon sollten wir uns ruhig mal die eine oder andere Scheibe abschneiden!

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