Tag 49 (11.08.): Nesebăr (Varna/Варна – Burgas/Бургас)
Eigentlich wollten wir gar nicht nach Varna. Ich habe die Stadt ja schon gesehen
und fand sie nicht so umwerfend. Nein, unser Ziel ist Nesebăr (Несебър), das
wir vermeintlicherweise über Varna am besten erreichen. Nach einem ordentlichen
Gewitter, das ganze Straßen in Flüsse verwandelt, machen wir uns
auf den Weg zum 2 km außerhalb des Zentrums liegenden und per Stadtbus
erreichbaren Busbahnhof, wo wir um viertel nach elf ankommen. Unser Buch gibt
für die Strecke Burgas – Varna Busverbindungen alle 30 bis 40 Minuten
an und wir setzen das gleiche auch für die Gegenrichtung voraus…
Verdammt, verdammt, verdammt, mal wieder zu gutgläubig gewesen. Wir müssen
erfahren, dass der letzte Bus um elf fuhr und der nächste erst um viertel
vor zwei fahren wird. Also hat Ina genug Zeit, um ihre Postkarten zu schreiben,
und ich kümmere mich ums Tagebuch.
Die Fahrtstrecke des Busses kenne ich ja bereits, doch aus einem motorisierten
Gefährt nimmt man die vielen Höhenmeter natürlich kaum wahr.
Der Bus lässt uns in der Neustadt von Nesebăr heraus und wir latschen zu
Fuß etwa zehn Minuten in die Altstadt, die malerisch auf einer weit ins
Meer ragenden Halbinsel liegt. Eine der ältesten Siedlungen Europas, seit
mehr als 3.000 Jahren leben hier ununterbrochen Menschen. Von ehemals vierzig
mittelalterlichen Kirchen, teilweise bis aus dem 10. Jahrhundert stammend, stehen
heute noch elf, die zum Teil klitzeklein sind. Ansonsten wird das hübsche
Stadtbild von Bürgerhäusern aus der Wiedergeburtszeit bestimmt. Aber:
Nesebăr ist total dem Kommerz verfallen – das Städtchen tut mir richtig
leid. Vom nahen Sonnenstrand, wo sich Bettenburg an Bettenburg reiht, kommen
die Touris in rauen Scharen, und entsprechend ist in jedem zweiten Haus ein
Ramschladen untergebracht und die Preise sind insgesamt viel höher als
in normalen bulgarischen Orten. Es ist irgendwie abstoßend. Da die Altstadt
klein ist, ist es nicht weiter tragisch, dass wir erst gegen vier hier angekommen
sind. So düsen wir bereits wieder um 17.40 Uhr mit dem Bus nach Burgas
ab.
Wir haben etwas Probleme, den Wohnblock von Nik wieder zu finden, doch schließlich
gelingt es uns doch. Niks Cousin aus Sofija, Raddy , ist zu Besuch, und am Abend wird auch noch ein weiterer Freund
aus Sofija, Martin, erwartet. Daher wird es nichts mit unserer Einladung zum
Essengehen an Nik – stattdessen bereitet der Cousin ein sehr schmackhaftes
Hähnchen-Gericht zu. Die drei Jungens sind einfach klasse und entsprechend
wird auch der Abend. Doch irgendwann müssen wir dann doch ins Bett –
Inas Flieger geht morgen früh um halb neun… Wieder bekommen wir Niks
Zimmer für uns, während die drei anderen im Wohnzimmer pennen. Die
bulgarische Gastfreundschaft ist einfach grandios, davon sollten wir uns ruhig
mal die eine oder andere Scheibe abschneiden!
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