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Istanbul 2006

Tag 3 (26.06.): Das Böhmische Paradies (Prácheň – Jinolice)

Jens weckt mich gegen sieben – acht Stunden Schlaf sind auch locker rum, aber nach dem Tag gestern habe ich wie ein Murmeltier geschlafen. Brauche halt immer ein paar Tage, um mich an die Anstrengung einer Radreise zu gewöhnen, besonders wenn es gleich dermaßen bergig losgeht und ich die Monate zuvor fast nur am Schreibtisch verbracht habe. Nach dem Frühstück rollen wir die Höhenmeter von gestern Abend auf der anderen Seite nach Nový Bor wieder hinunter. Um Punkt neun stehen wir zur Öffnung an einer Bank, um unsere 60 € in Kronen zu tauschen. Dann noch ein kleiner Einkauf bei Plus (daneben stehen noch Penny und Lidl…), bevor es wieder auf die Straße geht. Wir folgen der 9 Richtung Česká Lípa, biegen aber vorher schon wieder links ab nach Zákupy und Mimoň. Wir fahren durch eine wunderschöne sanfte Landschaft mit vielen einzeln stehenden Bergen, die in ihrer perfekten Form wohl ehemalige Vulkane sein dürften.

Von Mimoň nehmen wir die 268 Richtung Mnichovo Hradiště. In Kuřivody, einem kleinen Kaff, machen wir Mittagspause unter einer Linde an der alten Dorfkirche. Jens werkelt noch etwas an seinem Sattel und Lenker herum, da er Sitzprobleme hat. In der nahe gelegenen Polizeistation füllen wir Wasser nach und Jens bekommt eine Visitenkarte mit – wir sollen uns melden, wenn wir irgendwelche Probleme bekommen.

Waren die Straßen bisher gut zu befahren, so stoßen wir nun ins Böhmische Paradies (Český Ráj) vor, das mit kurzen, aber höllisch steilen Anstiegen wieder alles von uns fordert. Immerhin komme ich heute schon deutlich besser mit der Hitze zurecht als gestern – alles eine Frage der Gewöhnung. Unterwegs kommen wir an einem prall gefüllten Kirschbaum vorbei und pflücken uns eine Tüte voll. Wir fahren zur Burg Kost, laut Lonely Planet eine der besterhaltenen gotischen Burgen Böhmens. Erstaunlicherweise ist kein Tourist weit und breit zu sehen und das Tor ist verschlossen – vielleicht ist die Burg wie alle Museen montags geschlossen. In der Gegend begegnen uns gleich drei Autos mit kleinen Orientierungslauf-Posten hinter der Windschutzscheibe (DAS Erkennungszeichen von OLern weltweit) – das Böhmische Paradies ist tatsächlich paradiesisch für OL.

Weiter geht’s über Sobotka Richtung Prachovské skály, einem Gebiet mit riesigen Sandsteinfelsen. Jens ist glaube ich etwas genervt, da ihn die Felsen nicht so sehr interessieren und er lieber etwas schneller auf Hauptstraßen fahren würde. Um ihn nicht zu sehr zu strapazieren, begnüge ich mich damit, an einem Waldweg zu halten und den Hang oberhalb hoch zu rennen, um mir ein paar Felsen anzugucken. Und es ist genau die richtige Stelle: Auf der anderen Seite des Höhenzuges befindet sich ein auslaufendes Tal, das an allen Seiten von riesigen Felstürmen flankiert ist. Fantastisch! Als ich Jens davon erzähle, geht er dann auch noch einmal hoch… ;-)

Wir steuern den Campingplatz am kleinen Stausee von Jinolice an, da wir dringend eine Waschung benötigen. Wir springen also sogleich in den sehr warmen See, bevor wir uns dem Abendbrot widmen.

92,0 km – 17,5 km/h – 782 hm

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