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Istanbul 2006

Tag 2 (25.06.): Erster Tag und erste Hitzeschlacht: Sächsische und Böhmische Schweiz (Dresden – Prácheň)

Nach gemütlichem Frühstück brechen wir aus Dresden auf – Georg und Luise begleiten uns noch 20 km bis Pirna. Wir folgen dem Elberadweg durch die Sächsische Schweiz, unterhalb der Bastei und der Festung Königstein entlang. In Königstein machen wir Mittagspause auf einer Bank und eine Oma sagt, wir sollten unterwegs viel Obst essen. Recht hat sie.

Es wird immer heißer – wir messen 31°C im Schatten. Der Grenzübertritt nach Tschechien ist unspektakulär, nur Jens weiß sich nicht zu benehmen und wird darauf hingewiesen, dass Stopp-Schilder auch für Radfahrer gelten. Im ersten tschechischen Dorf, Hřensko, das eigentlich sehr hübsch unterhalb von Sandsteinfelsen gelegen ist, ist ein riesiger Straßen-Ramschmarkt aufgebaut, der sich fest in vietnamesischer Hand befindet. In einer Wechselstube wollen wir Geld umtauschen, doch die Frau will mich übers Ohr hauen und fast 10 € Umtauschgebühr erheben. Ich solle schnell überlegen, sie habe keine Zeit. Spekuliert wohl darauf, dass ich unter Druck gesetzt schnell entscheide und den Betrug nicht merke. Sie nimmt zum Berechnen der Summe nicht einmal einen Taschenrechner, sondern überschlägt im Kopf. Ich lehne dankend ab…

Wir folgen einer wunderschönen Nebenstraße, die Georg uns empfohlen hat: Ein enges, bewaldetes Tal hoch nach Jetřichovice, dort rechts ab über Janska nach Česká Kamenice. Die Strecke bringt sehr viel Spaß, doch das ewige Hoch und Runter schlaucht gewaltig.

Wir wollen der Hauptstraße nach Nový Bor folgen, in dem Glauben, Hauptstraßen seien nicht so bergig wie Nebenstraßen. Doch Pustekuchen – fast 200 m müssen wir bis Prácheň auf gut 550 m über NN ansteigen. Wir sind so erschöpft, dass wir uns hier einen Zeltplatz suchen wollen; den finden wir direkt im Dorf an dem großen, herrlichen Basaltfelsen Panská skála (597 m). Es kommen noch einige Abendausflügler vorbei, u. a. ein Mann, der uns fragt, ob wir hier schlafen wollen – das macht mich etwas nervös. Er kommt noch ein zweites Mal vorbei, während wir essen – offensichtlich will er uns kontrollieren. Dennoch bauen wir nach dem Abendbrot das Zelt von Jens so gut wie möglich versteckt auf und bleiben auch unbehelligt. In Jens’ kleinem Zelt ist es jedoch zu zweit doch ganz schön eng und es wird bei doppeltem Stoffwechsel unangenehm heiß – nach dieser Nacht entschließen wir uns, in Zukunft in getrennten Zelten zu schlafen.

86,6 km – 15,7 km/h – 883 hm

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