Tag 2 (25.06.): Erster Tag und erste Hitzeschlacht: Sächsische und Böhmische Schweiz (Dresden – Prácheň)
Nach gemütlichem Frühstück brechen wir aus Dresden auf –
Georg und Luise begleiten uns noch 20 km bis Pirna. Wir folgen dem Elberadweg
durch die Sächsische Schweiz, unterhalb der Bastei und der Festung Königstein
entlang. In Königstein machen wir Mittagspause auf einer Bank und eine
Oma sagt, wir sollten unterwegs viel Obst essen. Recht hat sie.
Es wird immer heißer – wir messen 31°C im Schatten. Der Grenzübertritt
nach Tschechien ist unspektakulär, nur Jens weiß sich nicht zu benehmen
und wird darauf hingewiesen, dass Stopp-Schilder auch für Radfahrer gelten.
Im ersten tschechischen Dorf, Hřensko, das eigentlich sehr hübsch unterhalb
von Sandsteinfelsen gelegen ist, ist ein riesiger Straßen-Ramschmarkt
aufgebaut, der sich fest in vietnamesischer Hand befindet. In einer Wechselstube
wollen wir Geld umtauschen, doch die Frau will mich übers Ohr hauen und
fast 10 € Umtauschgebühr erheben. Ich solle schnell überlegen,
sie habe keine Zeit. Spekuliert wohl darauf, dass ich unter Druck gesetzt schnell
entscheide und den Betrug nicht merke. Sie nimmt zum Berechnen der Summe nicht
einmal einen Taschenrechner, sondern überschlägt im Kopf. Ich lehne
dankend ab…
Wir folgen einer wunderschönen Nebenstraße, die Georg uns empfohlen
hat: Ein enges, bewaldetes Tal hoch nach Jetřichovice, dort rechts ab über
Janska nach Česká Kamenice. Die Strecke bringt sehr viel Spaß,
doch das ewige Hoch und Runter schlaucht gewaltig.
Wir wollen der Hauptstraße nach Nový Bor folgen, in dem Glauben,
Hauptstraßen seien nicht so bergig wie Nebenstraßen. Doch Pustekuchen
– fast 200 m müssen wir bis Prácheň auf gut 550 m über
NN ansteigen. Wir sind so erschöpft, dass wir uns hier einen Zeltplatz
suchen wollen; den finden wir direkt im Dorf an dem großen, herrlichen
Basaltfelsen Panská skála (597 m). Es kommen noch einige Abendausflügler
vorbei, u. a. ein Mann, der uns fragt, ob wir hier schlafen wollen – das
macht mich etwas nervös. Er kommt noch ein zweites Mal vorbei, während
wir essen – offensichtlich will er uns kontrollieren. Dennoch bauen wir
nach dem Abendbrot das Zelt von Jens so gut wie möglich versteckt auf und
bleiben auch unbehelligt. In Jens’ kleinem Zelt ist es jedoch zu zweit
doch ganz schön eng und es wird bei doppeltem Stoffwechsel unangenehm heiß
– nach dieser Nacht entschließen wir uns, in Zukunft in getrennten
Zelten zu schlafen.
86,6 km – 15,7 km/h – 883 hm