Tag 19 (12.07.): Mit der letzten dampfbetriebenen Waldbahn Europas das Wassertal hinauf
(Vişeu de Sus)
Die Wassertalbahn – dieses Wort klingt magisch in meinen Ohren, so viel
habe ich schon von dieser Schmalspurbahn gehört (u. a. durch einen Artikel
in der Geo und eine Fernseh-Reportage), die auf etwa 40 km Länge das Tal
des Flüsschens Wasser (Vaser) als einziges Verkehrsmittel erschließt
und Holz aus einem sehr großen Einzugsgebiet ins Sägewerk nach Oberwischau
transportiert. Das besondere an ihr ist, dass sie als letzte dampfbetriebene
Waldbahn Europas noch immer zu ihrem ursprünglichen Einsatzzweck betrieben
wird und somit ein lebendiges Industriedenkmal darstellt. Eine Fahrt mit der
Wassertalbahn verspricht Abenteuer, da das Streckennetz in einem katastrophalen
Zustand ist und daher laufend improvisiert werden muss. Seit dem Jahr 2000 kümmert
sich ein schweizerischer Verein um den Erhalt der wirtschaftlich bedrohten Bahn
und baut langsam eine Infrastruktur für einen sanften Tourismus auf.
Wir trudeln morgens um halb acht am Bahnhof der Forstbehörde CFF ein, wie
es uns unsere Wirtin gesagt hat, und sind erstaunt über die große
Anzahl an weiteren Touristen, die ebenfalls mitfahren wollen – wo kommen
die plötzlich alle her? Bisher haben wir in diesem Land doch kaum andere Touris gesehen…
Neben Rumänen und Deutschen steigen auch Holländer, Spanier und eine
Gruppe christlich angehauchter junger Tschechen ein, die die ganze Zeit Gitarre
spielen und singen. Es stellt sich heraus, dass der „echte“ Zug
(also der Holzzug) bereits morgens um sechs oder sieben den Bahnhof verlassen
hat und wir mit einem zusätzlichen Touristenzug fahren.
Die Fahrt wird wunderschön – wir tuckern in äußerst gemütlichem
Tempo neben der reißenden Vaser das wildromantische Tal hinauf, bleiben
öfter stehen, um Kühlwasser direkt aus dem Fluss nachzutanken, und
kommen mit einigen Leuten ins Gespräch, vor allem mit Andreas aus Köln,
einem 31jährigen Schauspieler, der alleine herumreist, sehr netter Kerl.
Zweimal zwischendurch erwischen uns Gewitterschauer und es wird unerwartet frisch
– wir sind froh, überhaupt Pullis mitgenommen zu haben, damit haben
wir nicht gerechnet. Und wir haben heute ganz besonders Glück: auf Grund
einer schlecht funktionierenden Weiche entgleisen die Lokomotive „Cozia-1“
und der erste Waggon, und wir werden Zeugen, wie die Mannschaft sie mit einfachsten
Mitteln, aber sicheren Handgriffen, wieder zurück aufs Gleis befördert
und die Weiche notdürftig repariert. Dies beschert uns eine Stunde Zwangspause.
Am oberen Haltepunkt der Touri-Bahn, in Faina bei km 30, haben wir etwa eine
Stunde Aufenthalt. Typisch rumänisch: es gibt keine Infos, wann es weiter
geht oder wo es ein Klo gibt – aber diese rumänische Gelassenheit
ist sehr sympathisch. Die paar Leutchen in Faina sind bislang anscheinend auch
noch nicht auf die Idee gekommen, aus dem aufkeimenden Tourismus einen bescheidenen
Profit zu schlagen und ein kleines Café oder ähnliches aufzuziehen
– stattdessen lädt uns eine ältere Einwohnerin zu einem Kaffee
ein (wenn es auch eine kalte Plörre ist…) und ein paar rumänische
Touris lassen uns an ihrem Picknick teilhaben. Ich liebe dieses Land!
Die Rückfahrt verläuft reibungslos, auch wenn wir statt zwischen vier
und fünf (wie angekündigt) erst gegen sieben wieder in Vişeu de Sus
ankommen. Wir haben keine Lust zu kochen und wollen daher noch etwas essen gehen,
was gar nicht so einfach ist. Im Stadtzentrum entscheiden wir uns für das
untere der drei Restaurants und bestellen auf Anraten des Kellners Pommes mit
Kotelette und Tomatensalat. Labbriges Zeug, und der Saftsack bescheißt
uns auch noch: statt der billigen Preise in der Karte berechnet er uns 45 Lei,
etwa 13 €, die der Fraß nun wirklich nicht wert ist. Leider schalten
wir zu spät und sind etwas sauer. Zum Abschluss des Tages und zu später
Stunde statten wir dann noch dem örtlichen Internetcafé einen Besuch
ab.
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