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Wie der Weihnachtsmann zum Orientierungslauf kam

Weihnachtsmann-OrientierungsläuferNeulich lief ich durch den Wald,
Als hinter mir 'ne Glocke erschallt.
Es war ein gar wundersam Geläut',
Machte mich bange und doch erfreut.
So war es kurz vor Posten Vier,
Da stand der Weihnachtsmann neben mir.
Erst dacht' ich ja, es wär ein Geist,
Denn ich glaubte nicht an den, der Ruprecht heißt,
Doch er sprach „Ho ho ho, Du siehst recht,
Ich bin's, der gute Knecht!“
Mir war nicht ganz wohl in meiner Haut,
Als er mir tief in die Augen geschaut.
„Ach hilf mir bitte, braver Mann,
Ich hab mich verlaufen in diesem Getann!“
Eigentlich war mir dies gar nicht lieb,
Die Zeit war's, die mich weiter trieb.
Ich sagte „Ruprecht, mir fehlt die Kraft,
Ich laufe gerade Meisterschaft.
Das kannst Du doch mit mir nicht machen...“
Doch er fing herzhaft an zu lachen.
„Was ist schon Dein verpasster Sieg
Gegen Hunger, Elend und Krieg?
Hilf mir, den Kindern Glück zu bringen,
Damit sie wieder lachen und singen.
Du hast doch eine Karte in Händen
Mit deren Hilfe wir aus dem Walde fänden.“
Ich wollte mit dem Herrn keine Fehde
Und was blieb mir übrig nach moralischer Rede?
Doch dann kam mir die rechte Idee;
Ich sagte „Ruprecht, nun seh!
Schau doch mal auf Deine Figur:
Du bist ja auch nicht der Dünnste nur!
Ein bisschen Bewegung täte Dir gut.
Nun schnapp' Dir all Deinen Mut
Und renn' mit mir die Strecke zu Ende,
Diesen Kompromiss gerecht ich fände!“
Da der Weihnachtsmann bekanntlich weise,
Sprach er schließlich, wenn auch leise:
„Nun gut, ich will es versuchen;
Bringst Du mich hier raus, bekommst Du Kuchen!“
So liefen wir also zusammen weiter,
Der Weihnachtsmann blieb sogar heiter.
Er war zwar nicht sonderlich schnell,
Doch beharrlich hing er an meinem Fell.
Wir konnten also nach einigen Meilen
Gemeinsam die Ziellinie übereilen.
Nun gut, für den Sieg reichte es nicht mehr,
Dafür war Ruprecht einfach zu schwer.
Ich merkte jedoch recht schnell:
Er hatte Freude am OL!
Er sagte noch: „Vielleicht komm ich mal wieder
Nach der Zeit der Weihnachtslieder!“
Dann ließ er ein tiefes „Adieu“ von sich hören,
Bevor er aufbrach zu der Welten Gören.

Henning Düsterhöft, 29.12.2000

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